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Die
Organisation Todt | OT-Einsatz in der Region Hagen
OT-Einsatz in
der Region Hagen
Reichsautobahnbau
Mit dem Gesetz über die Errichtung
eines Unternehmens "Reichsautobahnen" vom 27. Juni 1933 stellten die
Nationalsozialisten die in den Jahren zuvor unter der demokratischen Regierung
projektierten Planungen auf eine gesetzlichen Grundlage. 1938 wandelte sich das
Unternehmen "Reichsautobahn" in eine staatliche Behörde unter der
selbstständigen Leitung des Generalinspekteurs für das deutsche Strassenwesen, Dr. Fritz
Todt. Der Bau der Reichsautobahn unter Aufsicht gliederte sich in Oberste Bauleitungen,
denen als eigentliche bauausführende Organisationen die Bauabteilungen unterstanden.
1938 gliederte sich die Oberste
Bauleitung in Essen in die Bauabteilungen Hagen, Schwerte und Soest. Im
Mai 1941 war der Reichsautobahnbau in 20 Oberste Bauleitungen und in 92
Bauabteilungen organisiert, darunter die Abteilungen Hagen, Kamen, Oberhausen und
Schwerte.
Die Hagener Bauabteilung war für den regionalen Streckenabschnitt der späteren A 1
zwischen Köln und Hannover nach Bremen zuständig. Sie betreute die Bauarbeiten im Westen
und Norden von Hagen, zwischen Schwelm und Hengstey sowie über die Ruhr nach Westhofen
(späteres Westhofener Kreuz). Die Ruhr sollte mit Brückenbauwerken überquert werden,
die jedoch bis 1941 nur partiell fertiggestellt werden konnten. Im Frühjahr 1943 waren
die Baumassnahmen offenbar weitgehend zum Stillstand gekommen. Die im
Ausbau vorhandene Autobahntrasse bei Hagen-Vorhalle wurde Standort einer schweren Flakbatterie.
Bereits mit der
Verstärkung des OT-Einsatzes in den von Deutschland besetzten Gebieten
sowie den zunehmenden Materialengpässen für Baumassnahmen und
Arbeitskräftemangel im Reichsgebiet, hatte der Reichsautobahnbau im
Sommer 1941 an Bedeutung verloren. Die Barackenlager der Reichsautobahn
dienten fortan als Quartier für Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und
sonstige Arbeitskräfte der OT. Von dort aus erfolgte ein Einsatz bei
Baumassnahmen und in Rüstungsfirmen. In den Barackenlager
Reichsautobahnbau I und II sowie Ruhrbrücke bei Hengstey und Bathey
entstanden Zwangsarbeiterlager der OT, die ab Sommer 1943 im
Zusammenhang mit dem "Einsatz Ruhrgebiet" standen.
Weitere OT-Zwangsarbeiterlager in der Region befanden sich u.a. in
Herdecke, Menden, Milspe, Möhnetalsperre und bei Oberrödinghausen im
Hönnetal.
In der Endphase des
Zweiten Weltkriegs existierte eine "Sonderbauleitung Hagen",
die der Oberbauleitung Lippe der OT-Einsatzgruppe Rhein-Ruhr unterstellt
und mit der "Durchführung wichtiger Arbeiten an
Verkehrslinien" beauftragt war. Die Befehlsstelle dieser Einheit
befand sich bis Mitte März 1945 im Landgericht Hagen und wurde nach dem
letzten Grossangriff auf Hagen in ein Waldgelände an der Stadtgrenze
verlegt [StadtA Hagen, Akte 6244, Bl. 15: Schreiben der Sonderbauleitung
Hagen an den OB Hagen v. 23.3.1945].
OT - Einsatz in der Region
Der Angriff auf die Talsperren im
Einzugsbereich des Ruhrgebiets am 16./17. Mai 1943 sowie die Zerstörung der Möhne- und
Ederstaudämme in dieser Nacht markierte den Beginn eines umfangreichen Einsatzes der OT
innerhalb des Deutschen Reiches. Bereits am 19. Mai 1943 wurde in Hagen die Oberbauleitung
Möhne der OT eingerichtet, um im Ruhrtal die gewaltigen Sachschäden zu reparieren
sowie
den Wiederaufbau der Sperrmauer zu koordinieren. Mit der Bildung des "Ruhrstabs"
in Essen im August 1943 und dem bereits im Mai des Jahres angelaufenen "Einsatz Ruhr"
mit Stabsquartier im Adelssitz Villigst bei Schwerte/Ruhr erfolgte in den Sommermonaten
1943 eine umfassende Organisation des OT-Einsatzes im Ruhrgebiet.
Ende 1943 waren im Ruhrgebiet bereits
über 10.000 Arbeitskräfte der OT eingesetzt, darunter vor allem ausländische
Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Von Bombenangriffen beschädigte Industriebetriebe,
z.B. das im Juni 1943 von einem amerikanischen Tagesangriff schwer zerstörte BUNA-Werk in
Marl-Hüls, und energiewirtschaftliche Anlagen im Ruhrtal zählten zu den Haupteinsatzorte
für die OT. Die Fertigstellung des Staudamms der Möhne-Talsperre Anfang Oktober 1943
machte Kräfte für weitere Bau- und Instandsetzungsarbeiten frei. So erfolgte zwischen
Oktober 1943 und März 1944 ein vom RMfRK angeordneter Einsatz von über
1.000
Arbeitskräften unter Aufsicht der OT in der durch einen Bombenangriff schwer getroffenen Accumulatoren Fabrik in Hagen. Weitere Baumassnahmen in
der Region betrafen die Einrichtung eines Reparaturbetriebs für Jagdflugzeuge in einem Eisenbahntunnel bei Gevelsberg. Aber auch im Ausbau
von Luftschutzräumen sowie beim Bunkerbau erfolgte ein verstärkter Einsatz der OT.
In einem Erlass hatte Hitler am 2.
September 1943 die Aufgaben der OT im Reichsgebiet festgelegt. Mit der Gründung des
zentralen Amts Bau-OT im April 1944 sowie einer Neuorganisation der OT-Einsatzes im Juni
des Jahres erfolgte eine Aufteilung in acht Einsatzgruppen, von denen die OT-Einsatzgruppe
Deutschland III "Hansa" für das Ruhrgebiet, Westfalen und Norddeutschland
zuständig war. Zu dieser Zeit existierten fünf Oberbauleitungen in Essen (für das
Rüstungskommando Essen), Dortmund (für das Rüstungskommando Dortmund), Düsseldorf
(für das Rüstungskommando Düsseldorf), Siegburg (für das Rüstungskommando Köln) und
Möhne (für Instandsetzungs- und Wiederaufbauarbeiten im Ruhrtal).
Anfang Dezember 1944 erfolgte aufgrund
der heftigen Bombardierungen des Rhein-Ruhrgebiets eine letzte Neuorganisation. Die
OT-Einheiten im Wehrkreis VI (Münster) wurden zur "Einsatzgruppe Rhein-Ruhr"
zusammengefasst. Das Stabsquartier befand sich zu dieser Zeit in Essen-Heidhausen.
Aussagen und Lokalisierung der einzelnen OT-Abschnittsbauleitungen können aufgrund der
unzureichenden Quellenlage nicht getroffen werden. Im Rahmen des
"Geilenberg-Programms" erfolgte z.B. im Hönnetal ab September 1944 ein
umfangreicher OT-Einsatz zur Errichtung eines unterirdischen
Hydrierwerks (Deckname "Schwalbe I").
Auch im Raum Hagen zeichnete sich der
OT-Einsatz durch die Beschäftigung von Häftlingen, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen
aus. Die im Norden von Hagen befindlichen Lager am Hengsteysee und im Umfeld der im Bau
befindlichen Trasse der Reichsautobahn wurden im Catalogue of Camps and Prisons dezidiert
als "Forced Workers Camps" ausgewiesen. Auch die im August/September 1944 von
der Gestapo aus dem Arbeitserziehungslager bei den Klöckner Werken in Hagen-Haspe ins
Hönnetal verlegten Häftlinge standen dort unter der Aufsicht der OT. In der Umgebung von
Hagen befanden sich weitere OT-Arbeitslager, deren Geschichte kaum erschlossen ist.
Von der OT wurden Arbeitskräfte an Industriebetriebe
"vermietet", so z.B. an die Schmiedag und an die Firma Funcke
& Hueck in Hagen.
Links
Zur Reichsautobahn
Zur Geschichte der Brücken der
Reichsautobahn Ruhrgebiet - Hannover
http://www.lwl.org/HTML/STRASSE/bruecken/27-31.HTM
Reichsautobahnen.de
http://www.reichsautobahnen.de/start.htm
"Strassen des
Führers":Nationalsozialistische Autobahnen
http://www.evlka.de/extern/ez/lumo/lm2-4.html
Geschichte der Autobahnen
http://www.autobahn-online.de/geschichte.html
Literatur /
Quelleneditonen
Böhm, Klaus: Die Organisation Todt im
Einsatz 1939-1945, dargestellt nach Kriegsschauplätzen auf Grund der Feldpostnummern.
Osnabrück 1987 [= Veröffentlichungen Deutschen Quellenmaterials zum Zweiten Weltkrieg,
Abt. III: Quellen zur Geschichte der Organisation Todt, Bd. 3]
Dittrich, Rudolf: Vom Werden, Wesen
und Wirken der Organisation Todt. Osnabrück 1998 [= Veröffentlichungen Deutschen
Quellenmaterials zum Zweiten Weltkrieg, Abt. III: Quellen zur Geschichte der Organisation
Todt, Bd. 1-2]
Dorsch, Xaver: Die Organisation Todt.
Historical Division, US-Army 1950 (Reprint, Osnabrück 1998) [= Veröffentlichungen
Deutschen Quellenmaterials zum Zweiten Weltkrieg, Abt. III: Quellen zur Geschichte der
Organisation Todt, Bd. 1-2]
Gruber, Eckhard / Schütz, Erhard:
Mythos Reichsautobahn. Bau und Inszenierung der 'Straßen des Führers' 1933-1941. Berlin
1996
Handbook of the Organisation Todt, ed.
by the Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, Counter-Intelligence Sub-Civision,
London 1945 (Reprint, Osnabrück 1992) [= Veröffentlichungen Deutschen Quellenmaterials
zum Zweiten Weltkrieg, Abt. III: Quellen zur Geschichte der Organisation Todt, Bd. 4]
Seidler, Franz W.: Die Organisation
Todt. Koblenz 1987
Singer, Hedwig: Entwicklung und
Einsatz der Organisation Todt (OT). Osnabrück 1992 [= Veröffentlichungen Deutschen
Quellenmaterials zum Zweiten Weltkrieg, Abt. III: Quellen zur Geschichte der Organisation
Todt, Bd. 1-2]
Stommer, Rainer: Reichsautobahn.
Pyramiden des Dritten Reiches. Analysen zur Ästhetik eines unbewältigten Mythos. Marburg
1995
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Bearbeitet von Ralf Blank |