Arbeiten für die Kriegsrüstung im Zweiten Weltkrieg
Zwangsarbeit in Hagen 1939 -
1945


Ausstellung Zwangsarbeit in Rheinland und Westfalen

Stapellauf eines deutschen U-Boots, 1941 (StadtA Hagen)Im Zweiten Weltkrieg war der Raum Hagen ein wichtiger Produktionsstandort der Rüstungsindustrie. Die besondere Bedeutung der Industrie im Stadtkreis Hagen, der sich bis 1975 um die Stadt Hohenlimburg und das frühere Amt Dahl vergrösserte, lag in der Lieferung von Ausrüstungs- und Montageteilen. Ohne die Zulieferung von Spezialbatterien der Accumulatoren Fabrik in Hagen an die deutsche Kriegsmarine in ausreichenden Stückzahlen wäre zum Beispiel der U-Bootkrieg im historisch überlieferten Umfang kaum durchführbar gewesen. Aber auch die deutsche "Vergeltungswaffe" V 2, die seit September 1944 eingesetzte Fernrakete A 4, hätte ohne Batterien und die Entwicklungsarbeit des AFA-Werks  Hagen nicht zum Einsatz gelangen können. Darüber hinaus spielte die in Hagen und Hohenlimburg ansässige Stahlindustrie, hier besonders Harkort & Eicken und die Hoesch AG, eine Rolle als Zulieferbetriebe für den Bau von Kampfpanzern. Die Hochöfen der Klöckner-Werke im Stadtteil Haspe zählten im Rhein-Ruhrgebiet zu den wichtigen Produzenten von Stahl und Roheisen.

Baracken eines Arbeitslagers der Accumulatoren Fabrik, 1941 (StadtA Hagen)Infolge der erhöhten Rüstungsproduktion und der Rekrutierung von deutschen Arbeitskräften für den Wehrdienst vermochte es die Hagener Industrie ohne die im Ausland angeworbenen Zivilarbeiter, west- und osteuropäischen ZwangsarbeiterInnen sowie Kriegsgefangenen nicht, die Lieferanforderungen der Wehrmacht zu erfüllen. Über das Arbeitsamt Hagen sowie über das zuständige Rüstungskommando Dortmund wurden seit 1941 vermehrt ausländische ZivilarbeiterInnen, ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangene angefordert und in den Industriebetrieben eingesetzt. Vor allem die osteuropäischen Zwangsarbeiter, sowjetischen Kriegsgefangenen und seit Herbst 1943 beschäftigten "Italienischen Militärinternierten" waren Repressionen, Misshandlungen sowie gesundheitsschädigenden Ernährungs- und Lagerbedingungen ausgesetzt gewesen. Ab Frühjahr 1943 erfolgte der zunehmende Einsatz von Häftlingen aus Konzentrationslagern. So entstanden 1943 und 1944 im Ruhrgebiet mehrere Aussenkommandos des Konzentrationslagers Buchenwald.

Französische Kriegsgefangene auf der Lennebrücke Hohenlimburg, 1941 (StadtA Hagen)Das für Hagen und Teilen des Ennepe-Ruhr-Kreises zuständige Arbeitsamt Hagen koordinierte im Februar 1945 den Einsatz von rund 19.460 "Fremdarbeitern" und 5.620 Kriegsgefangenen. In Hohenlimburg waren zu diesem Zeitpunkt über 5.000 ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene eingesetzt. Insgesamt betrug die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte und Kriegsgefangenen, die zwischen 1939 und 1945 auf dem Gebiet der heutigen Stadt Hagen eingesetzt worden waren, mehr als 35.000 Personen. Die ausländischen ZivilarbeiterInnen, Kriegsgefangene und ZwangsarbeiterInnen waren nicht nur in der Rüstungsindustrie, sondern auch in Kleinbetrieben und Handwerksunternehmen, in der Landwirtschaft und Privathaushalten sowie in öffentlichen Betrieben beschäftigt. In grosser Zahl wurden Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beim Ausbau von Luftschutzanlagen im Hagener Stadtgebiet eingesetzt. Häftlinge aus Konzentrationslagern in SS-Baubrigaden und Sprengkommandos mussten im Auftrag der Stadtverwaltung nach Bombenangriffen unter anderem Trümmerschutt räumen, Leichen bergen und Blindgänger entschärfen. 

Zahlreiche ausländische ausländische Arbeitskräfte waren bei alliierten Luftangriffen auf Hagen getötet worden, da ihnen ein nur geringfügiger Schutz zugebilligt wurde. Nicht wenige ZwangsarbeiterInnen fanden aber auch infolge der unmenschlichen Lager- und Haftbedingungen sowie aufgrund von Misshandlungen und Mordaktionen den Tod. In Hagen unterhielt die Geheime Staatspolizeit (Gestapo) in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und Industriebetrieben mindestens drei "Arbeitserziehungslager" , "Auffanglager" und "Erweiterte Polizeigefängnisse". In diesen "KZ der Gestapo" wurden seit Spätsommer 1943 zahlreiche ausländische Arbeitskräfte, Gegner des NS-Regimes sowie Juden und "Jüdische Mischlinge" unter verschärften Haft- und Arbeitsbedingungen festgehalten. Diese in Hagen eingerichteten Lager besassen eine nicht nur örtliche Bedeutung, sondern hatten als "Einzugsbereich" den gesamten Regierungsbezirk Arnsberg und darüber hinaus auch den westfälischen Raum. Aber auch unter der Aufsicht der Organisation Todt wurden im Raum Hagen tausende Zwangsarbeiter eingesetzt. 

Grabstein auf einem Massengrab für sowjetische ZwangsarbeiterDas Historische Centrum Hagen versucht mit dieser Website, das Schicksal der ausländischen ZivilarbeiterInnen, ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangenen in Erinnerung zu rufen und ein regionales Informationsportal für eine öffentliche Auseinandersetzung zu schaffen. Gleichzeitig wird eine Auflistung der Lager- und Haftstätten im heutigen Stadtkreis Hagen angeboten, die über eine Suchmaschine erschlossen werden kann. Die Gebietskarte ermöglicht die Erschliessung von Firmen- und Lagerverzeichnissen für die Hagener Stadtteile. Ein Quellenverzeichnis und die Bereitstellung von digitalisierten Original-Quellen sollen die Zwangsarbeit in der regionalhistorischen Überlieferung veranschaulichen und das Internet-Angebot auch für den schulischen und universitären Unterricht nutzbar machen. Eine Mailingliste ermöglicht den Austausch von Informationen und Fragestellungen. 

Das Historische Centrum Hagen veranstaltete 2000/2001 gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern, dem Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum (Prof. Dr. Norbert Frei) und dem Lehrstuhl für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte der FernUniversität Hagen (Prof. Dr. Peter Brandt), die umfangreiche Vortragsreihe >Zwangsarbeit im "Dritten Reich"<. Aktuelle

Informationen über das aktuelle Vortragsprogramm des Historischen Centrums entnehmen Sie bitte der Webseite.

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