Zwangsarbeit im "Dritten Reich"
Vortragsreihe im Historischen Centrum Hagen
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Zur Portalseite

Das im geschichtsträchtigen Hagener Stadtteil Eilpe gelegene Historische Centrum ist ein überregional bekannter Ort zur Erforschung und Präsentation von Geschichte. Als Institution besteht das Historische Centrum aus dem Stadtmuseum Hagen, dem Stadtarchiv Hagen und dem Museum Schloss Hohenlimburg. Für Westfalen und das Ruhrgebiet stellt es einen festen Anlaufpunkt in der Museums-, Archiv- und Kulturlandschaft dar. Es bereichert die wissenschaftliche Forschung durch eigene Projekte, Veröffentlichungen, Ausstellungen und Veranstaltungen.

Das Historische Centrum Hagen veranstaltet im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt „Zwangsarbeit in Hagen 1939-1945" gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern, dem Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum (Prof. Dr. Norbert Frei) und dem Lehrstuhl für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte der FernUniversität Hagen (Prof. Dr. Peter Brandt), sowie den Mitveranstaltern, Pro Stadtgeschichte Hagen, Hagener Heimatbund und Hagener Geschichtsverein, eine umfangreiche Vortragsreihe mit namhaften Referentinnen und Referenten sowie eine Podiumsdiskussion. Die Vortragsreihe wird präsentiert von der Westfälischen Rundschau.

Die Vorträge und die Podiumsdiskussion finden 2000 und 2001 im Veranstaltungssaal des Historischen Centrums Hagen, Eilper Straße 71 - 75 ("Wippermann-Passage"), 58091 Hagen, statt. Im Anschluss an die Veranstaltungen besteht die Möglichkeit einer Diskussion.

Die Vortragsreihe wird gefördert von den Stadtwerken Hagen AG, Pro Stadtgeschichte Hagen e.V. und dem Zentralen Technischen Service der Stadt Hagen.

Der Eintritt ist frei.

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19. Oktober 2000, 19.30 Uhr

Eröffnungsveranstaltung

Zwangsarbeit im „Dritten Reich" als Forschungsprojekt
Beate Hobein, Historisches Centrum Hagen

Im Januar 2000 wurde das Historische Centrum Hagen mit der Erforschung des Einsatzes von Zwangsarbeiter/innen in Hagen beauftragt. Die Stadt Hagen verfügt über einen umfangreichen Archivbestand zum Einsatz von Zwangsarbeiter/innen und Kriegsgefangenen. Über 25.000 Zwangsarbeiter/innen und Kriegsgefangene waren während des Zweiten Weltkriegs in Hagen eingesetzt. Im Stadtarchiv Hagen werden die biographischen Angaben von bis zu 20.000 Zwangsarbeiter/innen und Kriegsgefangenen ausgewertet. Der Vortrag stellt das Forschungsprojekt und die Vortragsreihe vor.

Beate Hobein
Studium der Geschichte, Wirtschafts- und Technikgeschichte, Germanistik und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum, anschließend Volontariat im Westfälischen Freilichtmuseum Hagen und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum Lüdenscheid. Seit 1989 Leiterin der Historischen Museen und des Stadtarchivs in Hagen (ab 1998: Historisches Centrum Hagen). Veröffentlichungen zur Regionalgeschichte, Ausstellungs- und Museumsdidaktik sowie Denkmalkultur.


Geschichte der Zwangsarbeit
Dr. Norbert Fasse, Stadtarchiv Borken

Das Deutsche Reich konnte den Zweiten Weltkrieg nur über nahezu sechs Jahre durchhalten, weil es in wachsendem Maße die menschlichen und materiellen Ressourcen der Zug um Zug eroberten Staaten ausbeutete. Da im Reichsgebiet infolge der Aufrüstungskonjunktur bereits am Vorabend des II. Weltkrieges 1,2 Mio. Arbeitskräfte fehlten, war die Heranziehung von Millionen von Nichtdeutschen zur Zwangsarbeit eines der zentralen Elemente der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft.

Dieser schrittweise forcierte Einsatz von Zwangsarbeiter/innen war in widersprüchlicher Weise von pragmatischen Erfordernissen und rassenideologischen Vorbehalten bestimmt, so dass der rechtliche Status, die rassenideologische „Einstufung", die Arbeits- und Einsatzfelder und die Lebensbedingungen der verschiedenen Betroffenengruppen unterschiedlich ausfielen. Vor dem Hintergrund der schleppend anlaufenden, abgestuften Entschädigung geht es in diesem Überblicksvortrag vor allem um die unterschiedlichen Gruppen ehemaliger Zwangsarbeiter/innen (Kriegsgefangene, ausländische Zivil- und Zwangsarbeiter/innen, KZ-Häftlinge und jüdische Zwangsarbeiter/innen), um die Rekrutierungsmethoden und Arbeits- und Existenzbedingungen, denen sie unterworfen waren, und um die Rolle ihrer „Arbeitgeber" und „Dienstherren".

Dr. Norbert Fasse
Promotion an der Universität / GH Essen mit einer exemplarischen Lokalstudie über „Katholiken und NS-Herrschaft im Münsterland", seit 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Stadtarchiv Bocholt (stadtgeschichtliche Forschungen zur NS-Zwangsarbeit), ab März 2000 Leiter des Stadtarchivs und Stadtmuseums Borken. Arbeitsschwerpunkte: regionale Zeitgeschichts- und Milieuforschung, deutsch-niederländische Beziehungen im 20. Jahrhundert, Erinnerungskultur.


Schnelle, unbürokratische Hilfe? Das Stiftungsgesetz: Geschichte, Rechtskonstruktion und Folgen
Heinz Pankalla, M.A., Stadtarchiv Dormagen

Der Vortrag beschäftigt sich mit Zustandekommen und Auswirkungen des Gesetzes zur Errichtung einer Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft". Behandelt werden besonders auch rechtliche Aspekte sowie die Probleme bei einer Umsetzung des Gesetzes.

Heinz Pankalla, M.A.
Studium der Sozialwissenschaften und Geschichte an den Universitäten in Köln und Marburg, Mitarbeiter am Institut für Politische Wissenschaften an der Universität Köln. Leiter des Stadtarchivs Dormagen. Publikationen zur Verfassungstheorie und -geschichte, Rheinische Landesgeschichte sowie zu Historischen Arbeitsmethoden.

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22. November 2000, 19.30 Uhr

Rüstungsindustrie und Zwangsarbeiterbeschäftigung: Das Beispiel des märkischen Reviers
Dr. Lutz Budraß, Lehrstuhl für Wirtschaft- und Sozialgeschichte der Ruhr-Universität Bochum

Das märkische Sauerland und der südwestfälische Raum waren im Zweiten Weltkrieg wichtige Standorte der Rüstungsindustrie. Zahlreiche mittelständische Betriebe und Grossunternehmen fertigten vor allem Zubehörteile für unterschiedliche Waffensysteme der Heeres-, Luft- und Marinerüstung an. Die Rüstungswirtschaft im „Dritten Reich" war auch im märkischen Sauerland eng verknüpft mit dem Einsatz von Zwangsarbeiter/innen und Kriegsgefangenen. Der Vortrag beschäftigt sich mit den Grundlagen, der Struktur und Organisation der Rüstungswirtschaft auf regionaler Ebene.

Dr. Lutz Budraß
Studium der Geschichte und Sozialwissenschaften an den Universitäten Bonn, Bochum und Warwick (England), wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Ruhr-Universität Bochum. Wichtigste Veröffentlichung: Flugzeugindustrie und Luftrüstung in Deutschland 1918 - 1945, Düsseldorf 1998.

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1. Dezember 2000, 19.30 Uhr

Zwangsarbeit, Disziplinierung, Verfolgung, Terror
Dr. Mark Spoerer, Universität Hohenheim

Die Auswirkungen des "Totalen Kriegs" waren auch am Arbeitsplatz zu spüren. Vor allem für die ausländischen Zwangsarbeiter/innen verschärfte sich ab 1942 der Verfolgungsdruck. Im Mittelpunkt des Vortrags steht das Schicksal ausländischer und deutscher Zivilarbeiter in den sogenannten Arbeitserziehungslagern, den "KZ der Gestapo".

Im Rheinland und Ruhrgebiet existierten mehrere Arbeitserziehungslager, die in der Regel ortsansässigen Industriebetrieben angegliedert waren und von der Gestapo verwaltet wurden. Allein auf dem Stadtgebiet von Hagen befanden sich mindestens drei Arbeitserziehungslager. Die Geschichte der Arbeitserziehungslager sowie die Lebensbedingungen der dort inhaftierten Zwangsarbeiter/innen haben damit auch einen regionalhistorischen Bezug. Der Vortrag zeigt das System der Verfolgung, Ausgrenzung und strafrechtlichen „Sonderbehandlung" von Zwangsarbeiter/innen auf. So existierten für „Ostarbeiter" und Polen eigene Disziplinierungs- und Verfolgungsrichtlinien, die beispielsweise bei geringsten Verdachtsmomenten zu einer Ermordung des betreffenden Zwangsarbeiter/innen führen konnte.

Dr. Mark Spoerer
Wissenschaftlicher Assistent an der Abteilung "Wirtschafts- und Sozialgeschichte" der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Stuttgart-Hohenheim. Forschungsgebiete: deutsche Wirtschaftsgeschichte der Weimarer Republik und des Dritten Reichs sowie des 19. Jahrhunderts. Publikationen zum Thema Zwangsarbeit (u.a.): Zwangsarbeit bei Daimler-Benz (Stuttgart 1994, mit anderen Autoren); Profitierten Unternehmen von KZ-Arbeit?, in: Historische Zeitschrift (1999); Schätzung der Zahl der im Jahr 2000 überlebenden Personen, die auf dem Gebiet der Republik Österreich zwischen 1939 und 1945 als Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen eingesetzt waren. Gutachten für die Historikerkommission der Republik Österreich (Wien 2000); Zwangsarbeit im Dritten Reich, Verantwortung und Entschädigung" in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht (2000); Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz (München, erscheint 2001).

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24. Januar 2001, 19.30 Uhr

Auschwitz als Beispiel für "Vernichtung durch Arbeit"
Dr. Sybille Steinbacher, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum

Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Frage nach dem Nebeneinander von Arbeit und Vernichtung in Auschwitz, dem grössten nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager. Auschwitz war nicht nur ein Ort der Entrechtung und systematischen Ermordung der Häftlinge, sondern auch die Drehscheibe des Zwangsarbeiter/innen-Einsatzes. Mit Blick auf das Lager sowie auf die umliegende Region Ostoberschlesien wird der Zusammenhang von pragmatischen ökonomischen Überlegungen und rassenpolitischen Dogmen in der nationalsozialistischen Zwangsarbeiterpolitik untersucht. Nach dem Vorbild der IG Farben-Werke liessen sich in Auschwitz zahlreiche Industriebetriebe nieder, um die billige Arbeitskraft der Häftlinge auszubeuten. Der NS-Staat verfolgte mit der Zwangsarbeiterpolitik sowohl die wirtschaftliche Herrschaftssicherung als auch die Umsetzung rassenpolitischer Ziele.

Dr. Sybille Steinbacher
Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Politikwissenschaft in München und Bochum. 1994 bis 1997 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte in München, seit Herbst 1997 wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Dr. Norbert Frei am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum. Jüngste Veröffentlichung: „Musterstadt" Auschwitz. Germanisierungspolitik und Judenmord in Ostoberschlesien, München 2000.

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14. Februar 2001, 19.30 Uhr

Der Häftlingsalltag in KZ-Aussenkommandos während des Zweiten Weltkriegs
PD Dr. Christian Jansen, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum

Der Vortrag behandelt das Leiden der Häftlinge, die als Arbeitssklaven der Rüstungsindustrie in Aussenlagern der grossen KZs untergebracht waren. Wie lange mussten sie arbeiten? Was bekamen sie zu essen? Wie sah das System der Lagerordnung, des SS-Terrors und der Strafen aus? Unter welchen Bedingungen konnten in den Lagern begrenzte Freiräume entstehen? Gab es Solidarität und Zusammenhalt unter den Häftlingen?

Die Darstellung basiert auf Forschungen zur Geschichte des Volkswagenwerks, die in den 1990er Jahren an der Ruhr-Universität Bochum unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Mommsen durchgeführt wurden. Die Verhältnisse im Konzentrationslager des Volkswagenwerkes waren repräsentativ für die Aussenlager während des Zweiten Weltkriegs insgesamt.

PD Dr. Christian Jansen
Hochschuldozent an der Ruhr-Universität Bochum im Bereich „Neuere und Neueste Geschichte". Forschungsschwerpunkte: Geschichte Deutschlands und Italiens im 19. und 20. Jahrhundert und dabei besonders die Geschichte politischer Institutionen, Bewegungen und Ideen. Wichtigste Publikationen: Einheit, Macht und Freiheit. Die Paulskirchenlinke und die deutsche Politik 1849-1867, Düsseldorf 2000; Der Volksdeutsche Selbstschutz in Polen 1939/40, München 1992; Professoren und Politik. Politisches Denken und Handeln der Heidelberger Hochschullehrer 1914-1935, Göttingen 1992.

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7. März 2001, 19.30 Uhr

Die NSDAP und die „Fremdarbeiterpolitik" des "Dritten Reiches"
Armin Nolzen, M.A., Warburg

Die „Fremdarbeiterpolitik" des „Dritten Reiches" von 1939 bis 1945 war arbeitsteilig organisiert. Die Rekrutierung von „Fremdarbeitern" und deren Vermittlung an die Betriebe und die öffentlichen Behörden lag in der Hand der Reichsarbeitsverwaltung und der Arbeitsämter. Für den innerbetrieblichen Einsatz und die allgemeinen Arbeitsbedingungen waren die Betriebsführer verantwortlich. Die Behandlung der „Fremdarbeiter" am Arbeitsplatz war eine Angelegenheit der deutschen Belegschaft und - in der Großindustrie - des Werkschutzes. Die Strafmaßnahmen gegen „Fremdarbeiter", die 1939/40 noch in den Händen der regulären Justizbehörden und der Arbeitsämter gelegen hatten, verlagerten sich in den nächsten Jahren immer mehr zur Geheimen Staatspolizei.

Demgegenüber hatten es die NSDAP und ihre Nebenorganisationen schwer, sich in der „Fremdarbeiterpolitik" des „Dritten Reiches" als selbständige politische Kraft zu positionieren, zumal sich ihre Protagonisten aus „rassenpolitischen" Gründen stets gegen eine Beschäftigung von „Fremdarbeitern" im Deutschen Reich ausgesprochen hatten. Im Vortrag wird zu klären sein, inwieweit Rassismus im „Dritten Reich" nicht generell ein gesamtgesellschaftliches Phänomen war, das die NSDAP nur für ihre eigenen Zwecke instrumentalisierte. Angesichts des immer noch in Deutschland grassierenden Fremdenhasses und des Wiedererstarkens rechtsextremen Gedankenguts ist diese Frage von beklemmender Aktualität.

Armin Nolzen, M.A.
Studium der Geschichtswissenschaft, Germanistik, Sozialwissenschaften und Philosophie an der Ruhr-Universität in Bochum. 1994-1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Hans Mommsen am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum, arbeitet zurzeit an einer Dissertation zum Thema „Rudolf Heß, Martin Bormann und die Geschichte der NSDAP, 1933-1945". Mitglied der Redaktion der Zeitschrift „Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus". Jüngste Publikationen: Die Arbeitsbereiche der NSDAP im Generalgouvernement, in den Niederlanden und in der besetzten Sowjetunion, in: Robert Bohn (Hg.): Die deutsche Herrschaft in den „germanischen" Ländern 1940-1945, Stuttgart 1997; Martin Broszat, der „Staat Hitlers" und die NSDAP: Einige Bemerkungen zur „funktionalistischen" Interpretation des „Dritten Reiches", in: Revue d’Allemagne (September 2000); Der Streifendienst der Hitler-Jugend und die „Überwachung der Jugend", 1934-1945, in: Beiträge zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik; 16 (Oktober 2000); Parteigerichtsbarkeit und Parteiausschlüsse in der NSDAP, 1921-1945, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 49 (Juli 2000).

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21. März 2001, 19.30 Uhr

Unternehmen - Ort der Zwangsarbeit, Ort der Aktenüberlieferung, Ort der Erinnerung?
Dr. Manfed Grieger, Archiv der Volkswagen AG, Hannover

Unternehmen waren für hunderttausende Ausländer/innen während des Zweiten Weltkrieges der Ort der Zwangsarbeit. Der Vortrag geht der Frage nach, inwieweit in Unternehmen im Zusammenhang mit der Zwangsarbeit Aktenmaterial entstand und inwieweit die dortigen Archive heute Ort der Aktenüberlieferung zu dieser Thematik sind oder sein können. Schließlich soll am Beispiel von Volkswagen der Weg zu den heutigen Erinnerungsformen von Unternehmen rekonstruiert werden.

Dr. Manfred Grieger
Studium der Neueren und Neuesten Geschichte. Beschäftigt bei Volkswagen Kommunikation, Unternehmensarchiv. Veröffentlichungen in Auswahl: Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich (zusammen mit Hans Mommsen), Düsseldorf 1996; Das Außenlager "Annener Gußstahlwerk" (AGW) des Konzentrationslagers Buchenwald, September 1944 - April 1945" (zusammen mit Klaus Völkel), Essen 1997.

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30. Mai 2001, 19.30 Uhr

Problematische Erinnerungen: Zwangsarbeit und Oral history
Dr. Alexander von Plato, Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität Hagen in Lüdenscheid

Der Vortrag versucht am Beispiel lebensgeschichtlicher Interviews mit russischen bzw. sowjetischen Zwangsarbeiter/innen oder mit Deutschen, bei denen sie arbeiteten, Probleme der Erinnerung und ihrer Interpretation zu bearbeiten. Darüber hinaus geht es auch um Fragen der Methode im Zusammenhang mit Befragungen von ehemaligen Zwangsarbeiter/innen.

Dr. Alexander von Plato
Historische Arbeiten zur Zeitgeschichte, besonders zur Mentalitätsgeschichte, Drehbücher und Filme zur Zeitgeschichte. Mitherausgeber und Redakteur der Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History: "BIOS". Sekretär der „International Oral History Association".

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20. Juni 2001, 19.30 Uhr

Zwangsarbeit und Bombenkrieg. Zur Situation von Kommunen in Rheinland und Westfalen zwischen 1940 und 1945
Roland Schlenker M.A., Institut für Stadtgeschichte, Gelsenkirchen

Wenig bekannt und von der historischen Forschung bisher kaum beachtet ist die Tatsache, dass auch die Kommunen in direkter Verantwortung Tausende von Zwangsarbeiter/innen für sich arbeiten liessen. Dabei gerieten gerade die Städte und Gemeinden mit der Eskalation des Bombenkriegs unter enormen Druck. Die Sicherheit der Bevölkerung, ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wohnraum, die Trümmerbeseitigung sowie die Aufrechterhaltung kommunaler Versorgungsbetriebe wie Gas- und Wasserwerke - auf die nicht zuletzt die ortsansässige Rüstungsindustrie angewiesen war - sind nur einige Beispiele für die Fülle zusätzlicher Aufgaben, die es während des Bombenkriegs zu bewältigen gab.

Die Kommunen stiegen dabei zu wichtigen Schnittstellen zwischen „Heimatfront" und NS-Führung auf. Wie erging es den Zwangsarbeiter/innen der Stadtverwaltungen? Zu welchen Arbeiten wurden sie eingesetzt und wie wirkte sich ihr Einsatz auf die Funktionsfähigkeit der Verwaltungen aus? Welche städtischen Stellen koordinierten ihren Arbeitseinsatz und wie begegneten die Akteure vor Ort den Zwangsarbeiter/innen? Welche Trennungs- und Verbindungslinien zwischen industrieller und kommunaler Zwangsarbeit gab es?

Neben diesen Fragen beschäftigt sich der Vortrag zudem mit einem möglichen Bedeutungszuwachs der seit 1935 weitgehend entmachteten Kommunen während der Kriegszeit sowie der Einflussnahme des Deutschen Gemeindetags, der schon vor dem Krieg die Koordinierung antijüdischer „Massnahmen" in den Kommunen für sich beansprucht hatte. Vorgestellt werden erste Teilergebnisse eines Forschungsprojekts, die das Institut für Stadtgeschichte in Gelsenkirchen in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung der Ruhr-Universität Bochum betreut.

Roland Schlenker, M.A.
Studium der Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft, Mitarbeiter am Institut für Stadtgeschichte und dem Zentrum für interdisziplinären Ruhrgebietsforschung der Ruhr-Universität Bochum.

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21. August 2001, 19.30 Uhr

Zentrale der Zwangsarbeit - Das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt und die Entwicklung des Arbeitseinsatzes von Konzentrationslager-Häftlingen
Dr. Jan Erik Schulte, Kreismuseum Wewelsburg

Bereits in der Vorkriegszeit übte die SS-Verwaltung unter SS-General Oswald Pohl erheblichen Einfuß auf die Konzentrationslager und die Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen aus. Seit 1938 wurden Gefangene aus den Lagern verstärkt in SS-eigenen Betrieben ausgebeutet. Vorreiter einer großangelegten Häftlingsbeschäftigung war das Unternehmen Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH, das Gefangene vor allem in Ziegelwerken und Steinbrüchen zur Arbeit zwang. Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges übertrug Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, seinem Paladin Pohl die Kontrolle über den „Arbeitseinsatz" der Häftlinge. Im März 1942 wurde schließlich die gesamte Inspektion der Konzentrationslager als Amtsgruppe D in das neugegründeten SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA) unter Pohl eingegliedert.

Die Versuche Himmlers und Pohls, die Häftlinge ausschließlich in eigenen Betrieben auszubeuten, scheiterten. Seit 1942 verlieh das WVHA KZ-Gefangene verstärkt an private (Rüstungs-) Unternehmen. Hunderte von Außenlagern entstanden bei den einzelnen Industriebetrieben, so auch im Ruhrgebiet und im Rheinland. Mit der Erweiterung des KZ-Systems und der Aufsplitterung der Kommandostruktur verlor das WVHA die direkte Kontrolle über das von ihr bis dahin beherrschte Terrorinstrument. Durch die „Todesmärsche" endeten Konzentrationslager und Arbeitseinsatz in einem gigantischen Massenmord, der mehreren hunderttausenden Häftlingen das Leben kostete.

Dr. Jan Erik Schulte
Studium der Geschichte, Volkswirtschaftslehre und Neugermanistik in Bochum und Liverpool. Zwischen 1994 und 1996 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Neuere und Neueste Geschichte (Prof. Hans Mommsen) an der Ruhr-Universität Bochum, anschließend bis 1999 Historiker in der Abteilung für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit des Kanadischen Justizministeriums in Ottawa. Seit Januar 2000 tätig für das Kanadische Justizministerium sowie für die Unabhängige Historische Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Hauses Bertelsmann im Dritten Reich. Derzeit Mitarbeiter im Kreismuseum Wewelsburg. Jüngste Publikationen in Auswahl: Verwaltung des Terrors. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945, Paderborn (erscheint 2001); Das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt als Zentrale der Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen, in: Ulrike Winkler (Hg.), „Stiften gehen" - NS-Zwangsarbeit und Entschädigungsdebatte, Köln 2000.

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12. September 2001, 19.30 Uhr

Kirche, Diakonie und Zwangsarbeiter
Dr. Harald Jenner, Hamburg

Erst die Diskussion über die Entschädigung von Zwangsarbeiter/innen hat dazu geführt, dass über den Einsatz der Zwangsarbeiter/innen während des Zweiten Weltkrieg detaillierter geforscht wird. Dass auch die Kirchen Zwangsarbeiter/innen beschäftigt haben, fand zwar gelegentlich Erwähnung, blieb aber bislang völlig unbeachtet. Im Herbst 1999 wurden innerhalb der Einrichtungen der Diakonie der Evangelischen Kirche erste Untersuchungen angestellt. Im Sommer 2000 konnte eine erste Studie über den Einsatz von Zwangsarbeiter/innen in der Diakonie in Hamburg und Schleswig-Holstein vorgelegt werden. In Folge dieser Studie begann ein Projekt zur detaillierten Darstellung der Beschäftigung von Zwangsarbeiter/innen in Einrichtungen der evangelischen Kirche im gesamten damaligen „Grossdeutschen Reich". Ein weiterer Themenschwerpunkt des Vortrags sind die Erfahrungen und Schwierigkeiten bei den Forschungen zur Geschichte der Beschäftigung von Zwangsarbeiter/innen im kirchlichen und diakonischen Bereich.

Dr. Harald Jenner
Studium der Geschichte, Sozialgeschichte und Theologie/Kirchengeschichte in Hamburg, Oslo und Kiel. Seit 1983 Archivbetreuung diakonischer Einrichtungen. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte diakonischer und sozialer Einrichtungen, dem Gesundheitswesen, insbesondere über Gesundheitswesen im Nationalsozialismus, u.a. „Nationalsozialistische „Euthanasie"-Verbrechen und Einrichtungen der Inneren Mission".

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23. Oktober 2001, 19.30 Uhr

Vergangenheitspolitik: Über den Umgang mit der NS-Vergangenheit in Deutschland
Prof. Dr. Norbert Frei,
Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum

Auch ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des „Dritten Reiches" bleibt die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit eine Aufgabe für Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. In den neunziger Jahren lieferten die „Goldhagen-Debatte" und der Streit um die „Wehrmachts-Ausstellung" wichtige neue Impulse, und insgesamt entsteht der Eindruck, daß der Holocaust und die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges desto stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit treten, je weiter wir uns davon entfernen. Der Vortrag zeichnet die Geschichte der „Vergangenheitsbewältigung" nach und untersucht, wie die Deutschen seit der Nachkriegszeit mit dem Erbe des Nationalsozialismus umgegangen sind.

Prof. Dr. Norbert Frei
Nach dem Studium der Geschichtswissenschaften von 1979 bis 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in München; 1985/86 John F. Kennedy-Fellow an der Harvard University in Cambridge/Mass, 1995/96 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seit 1997 Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte des Nationalsozialismus und zur deutschen Nachkriegsgeschichte. Jüngste Publikationen: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, München 1996; Geschichte vor Gericht: Historiker, Richter und die Suche nach Gerechtigkeit (Hg. mit Dirk van Laak u. Michael Stolleis), München 2000. Vorsitzender des Wissenschaftlichen Kuratoriums der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie Mitglied der Unabhängigen Historischen Kommission zur Erforschung der Geschichte des Hauses Bertelsmann im „Dritten Reich".

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Herbst 2001

Podiumsdiskussion

Themenschwerpunkt:
Zwangsarbeit und "Entschädigung" - Eine Zwischenbilanz

Teilnehmer
Namhafte Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur.

Wichtiger Hinweis
Den genauen Termin und die Teilnehmer der Podiumsdiskussion entnehmen Sie bitte der Ankündigung in der Tagespresse sowie auf der Internet-Seite:

www.hco.hagen.de/zwangsarbeit

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Impressum 

Zwangsarbeit im „Dritten Reich"
Vortragsreihe im Historischen Centrum Hagen

Konzeption, Koordination und Realisierung
Ralf Blank M.A., Beate Hobein

Wissenschaftliche Beratung
Prof. Dr. Peter Brandt (Lehrstuhl für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte, FernUniversität Hagen)
Prof. Dr. Norbert Frei (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Ruhr-Universität Bochum)
Prof. Dr. Lutz Niethammer (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Kooperationspartner und Mitveranstalter
Ruhr-Universität Bochum
FernUniversität Hagen
Pro Stadtgeschichte Hagen e.V.
Hagener Heimatbund e.V.
Hagener Geschichtsverein e.V.

Gefördert von:
Stadtwerke Hagen AG
Pro Stadtgeschichte Hagen e.V.
Zentraler Technischer Service der Stadt Hagen

Präsentationspartner
Westfälische Rundschau

Historisches Centrum Hagen
Stadtmuseen / Stadtarchiv
Eilper Strasse 71 - 75
58091 Hagen
fon 02331 207 2740
fax 02331 207 2447
www.historisches-centrum.de
historisches.centrum@stadt-hagen.de

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Hagener Heimatbund e.V.

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© Historisches Centrum Hagen