| Forum "Barbarossa": Beitrag 4 - 2004 |
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Die Auswirkungen des „Unternehmen Barbarossa“ auf die Werbung „germanischer“ Freiwilliger durch die Waffen-SS in Dänemark* Bei dieser Entscheidung spielten ideologische Motive eine nicht unerhebliche Rolle, galten doch Dänen, genau wie Norweger und Niederländer, in der nationalsozialistischen Weltanschauung als „Germanen“, also als ein Volk „artverwandten Blutes“. Himmlers politische Vision eines „großgermanischen Reiches“ ließ ihn schon ab 1938 eine Politik der „Germanisierung“ bei der Vergrößerung der Waffen-SS verfolgen. Im Zuge dessen wurde verstärkt versucht nichtdeutsche „Germanen“ anwerben. Die systematische SS-Werbung in Dänemark gestaltete sich allerdings zunächst nicht sehr erfolgreich. Dies änderte sich erst nach dem Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion, als mit Hilfe dänischer Nationalsozialisten und mit Genehmigung der dänischen Regierung das in die Waffen-SS eingegliederte Freikorps „Danmark“ aufgestellt wurde. Dieses Freikorps sollte einen geschlossenen nationalen Verband unter der Führung dänischer Offiziere bilden. Innerhalb weniger Wochen meldeten sich fast 1000 dänische Männer, um am „Kreuzzug gegen den Bolschewismus“ teilzunehmen. Insgesamt kämpften während des Zweiten Weltkrieges etwa 6000 dänische Staatsangehörige in verschiedenen Verbänden der Waffen-SS. Alle hatten sich freiwillig und viele aus ideologischer Überzeugung gemeldet. Eine zwangsweise Verpflichtung fand zu keiner Zeit statt. SS-Standartenführer Johann H. Möller, Polizeipräsident in Flensburg, der schon vor der Besetzung Dänemarks eine geheime Werbeaktion unter der deutschen Minderheit in Nordschleswig geleitet hatte, wurde von Berger mit der Durchführung der Rekrutierung in Dänemark beauftragt. Möller suchte den DNSAP-Führer Frits Clausen in Kopenhagen auf, um ihn von den Plänen Himmlers zu unterrichten. Clausen war zunächst skeptisch, besonders da ihm keine Gegenleistung, wie etwa eine Teilhabe an der Regierungsmacht, angeboten wurde. Clausen saß in einer Zwickmühle: Noch glaubte er an eine baldige Machtübernahme und dafür benötigte er jeden Mann seiner kleinen Partei. Andererseits war er auf die Hilfe der Besatzungsmacht angewiesen, um sich in Dänemark durchsetzen zu können und wollte daher seine Loyalität beweisen. Als ihm der von Hitler unterschriebene Aufstellungsbefehl gezeigt wurde, beugte er sich schließlich den deutschen Wünschen, so dass der deutsche Gesandte Renthe-Fink am 20.5.1940 nach Berlin melden konnte: „Nach anfänglichem Widerstand hat auch (...) Clausen sich bereit erklärt, für die SS-Standarte „Nordland“ ausgesuchte und geeignete junge Leute aus seiner SA zur Verfügung zu stellen. Mit etwa 300 Leuten aus dieser Gruppe kann gerechnet werden“ (4) Weitere 100 Meldungen erwartete man von den Finnlandfreiwilligen, die am 1. Juni nach Dänemark zurückkehren sollten. Auch hier sollte in Zusammenarbeit mit der DNSAP geworben werden. Um die Werbung in Dänemark besser zu organisieren, befahl Berger im August 1940 die Einrichtung einer Nebenstelle des SS-Ergänzungsamtes „Nordsee“ (Hamburg) in Kopenhagen. Das Büro wurde zunächst mit 15 SS-Männern besetzt und nahm offiziell zum 1. September seine Arbeit auf (5). Die Nebenstelle Kopenhagen war nun für die Anwerbung von SS-Freiwilligen in ganz Dänemark verantwortlich, daher stellte J.H. Möller seine Tätigkeit ein und überließ das Feld dem Chef der neuen Nebenstelle, SS-Hauptsturmführer Erich Lorenz. Mit Unterstützung der DNSAP-Organisationen führte Lorenz Ende 1940/Anfang 1941 weitere Musterungssessionen in ganz Dänemark durch, die allerdings relativ erfolglos waren. Diese Arbeit wurde zwar diskret abgewickelt, blieb der dänischen Regierung aber natürlich nicht verborgen. Schon im August 1940 gab es erste Anfragen über das Anwerben von SS-Leuten auf dänischem Staatsgebiet (6). Es ist jedoch fraglich, ob diese vorsichtigen Proteste von deutscher Seite ernst genommen wurden. Im Februar 1941 traf man schließlich eine dahingehende Übereinkunft, dass die dänischen Behörden Listen mit den Namen der Freiwilligen erhielten und dafür im Gegenzug den deutschen Behörden eventuelle Straffällige unter den Geworbenen meldeten (7). Im März 1941 begann die deutsche Nebenstelle „Nordsee“ zusammen mit der DNSAP eine großangelegte Werbekampagne, die allerdings unter anderen Bedingungen stattfand. Himmler hatte bereits am 3. Februar angeordnet, „dass aus den germanischen Ländern nicht nur wie bisher unverheiratete Freiwillige von 17-22 Jahren angenommen werden können, sondern auch verheiratete und ältere Jahrgänge“ außerdem verbat er sich, dass untaugliche Freiwillige, „deren Meldung aber aus ihrer inneren klaren germanischen Einstellung heraus begrüßenswert und hoch achtbar ist (...) in einer törichten und völlig unpolitischen Form bescheinigt bekommen, dass sie körperlich untauglich sind und nach Hause gehen können“ (8), hier behielt er sich im Einzelfall eine persönliche Entscheidung vor. Die letzte Werbeaktion vor dem Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion war von größerem Erfolg gekrönt als die Versuche zuvor. Dies lag wohl unter anderem daran, dass die DNSAP-Führung verstärkt Druck auf ihre Mitglieder ausübte. Laut einer Übersicht des Ergänzungsamtes vom 20.5.41 wurden zwischen März und Mitte Mai fast 700 Personen gemustert. Von diesen waren bereits mehr als die Hälfte in den SS-Dienst eingetreten (9), bis zum 22. Juni folgten weitere Freiwillige. Verschiedenen Schätzungen zufolge waren bei Kriegsausbruch gegen die Sowjetunion ca. 600 Dänen (ohne Mitglieder der deutschen Minderheit) in die Waffen-SS eingetreten (10). Allerdings befanden sich davon wohl noch zahlreiche in der Ausbildung bzw. in Dänemark und nahmen daher nicht aktiv am Angriff auf die Sowjetunion teil. Laut Stärkemeldung der Division „Wiking“, der das Regiment „Nordland“ und damit die überwiegende Mehrzahl der ersten dänischen Freiwilligen zugeteilt wurde, betrug hier die Anzahl der Dänen am 22.6.1941 lediglich 216 (11). Schon bald nach dem 22. Juni versuchte die nationalsozialistische Propaganda das Bild eines „Kreuzzuges gegen den Bolschewismus“ zu zeichnen, eines Kreuzzuges, der angeblich dem Interesse ganz Europas diente und einen „gesamteuropäischen Freiheitskrieg“ darstellte (12). Große Teile dieser Argumentation findet man auch in vielen apologetischen Nachkriegswerken über die Freiwilligen der Waffen-SS wieder, in welchen der Angriff mehr oder weniger unverblümt als notwendiger Präventivschlag gegen den Kommunismus gerechtfertigt wird und die Freiwilligen als europäisch denkende Patrioten dargestellt werden (13). Durch die massive Ausnutzung existierender Bedrohungsängste und Vorbehalte versuchte die deutsche Führung, in anderen Ländern Sympathie und Unterstützung für den Vernichtungskrieg zu wecken. Man versuchte das Bild eines geteilten Europas mit „zivilisierten Völkern“ auf der einen und „bolschewistischen Horden“ auf der anderen Seite in den Köpfen der Menschen zu verankern. Ein weiterer wichtiger zu klärender Punkt für die dänische Regierung war in diesen Tagen die Frage nach einer militärischen Beteiligung am Krieg. Zwar gab es von deutscher Seite keine konkrete Forderung dieser Art, doch man fürchtete, dass diese über kurz oder lang gestellt werden würde und dass dann eventuell sogar die Gefahr von Zwangsaushebungen drohte. Da eine Beteiligung der dänischen Armee schon aus Neutralitätsgründen ausgeschlossen war und der dänischen Bevölkerung ohnehin nicht zu vermitteln gewesen wäre, überdachte man andere Möglichkeiten. Renthe-Fink sah hierin eine große politische Chance. Durch die Teilnahme von dänischen Freiwilligen am Kampf an der „populären“ finnischen Front hoffte er, antikommunistische Tendenzen zu schüren und damit auch Sympathien für Deutschland wecken. Bereits am 23.6. organisierte Renthe-Fink eine Versammlung von Repräsentanten der verschiedenen deutschen Behörden in Dänemark, um deren Unterstützung für seinen Plan zu gewinnen (19). Dieser sah vor, die Werbung in Dänemark zu teilen: Dänen, die nicht zur Waffen-SS wollten, sollten die Möglichkeit haben sich in einer selbstständigen Einheit, unter der Führung eines den Deutschen wohlgesonnenen Offiziers, zu organisieren und in Finnland zu kämpfen. Die Werbung der Waffen-SS sollte weiterlaufen wie bisher. Dieser Vorschlag fand zwar große Zustimmung, jedoch nicht bei einer entscheidenden Person: Erich Lorenz sah als Leiter des SS-Werbebüros in Dänemark seine zukünftige Arbeit gefährdet und traf daher Gegenmaßnahmen. Nach dem Treffen suchte er Frits Clausen auf, dem ebenfalls klar war, dass im Falle der Aufstellung eines Finnlandkorps die DNSAP ihre Rolle als Hauptträger der Werbung verlieren würde. Am 25.6. und in den darauffolgenden Tagen brach das Parteiorgan Fædrelandet („Das Vaterland“) die noch immer bestehende Anweisung der deutschen Gesandtschaft, die Werbung der Waffen-SS in Dänemark nicht öffentlich zu machen. Fædrelandet meldete, dass „bereits mehrere hundert Dänen in der großgermanischen Streitmacht kämpfen“. Gleichzeitig wurde zum Eintritt in das SS Regiment „Nordland“ aufgerufen, um „Europas Freiheit und die nordische Kultur“ (20) zu verteidigen. Am 26.6. schaltete die DNSAP auch in anderen Zeitungen Anzeigen, der Text war in Anbetracht des nichtnazistischen Publikums geschickt gewählt:
Derweil flog Lorenz nach Berlin und traf sich mit seinem Vorgesetzten Berger, dem Hauptverantwortlichen für die Ergänzung der Waffen-SS, welcher seine Kompetenzen ausnutzte, um auf Renthe-Fink dahingehend einzuwirken, dass dieser seinen Plan für ein Finnland-Korps nicht weiter verfolgte (22). Während noch die Aufstellung eines Freikorps für Finnland diskutiert wurde, versuchte die DNSAP-Führung, wahrscheinlich nach Absprache mit der SS, einen geeigneten Kandidaten für die Führung eines in die Waffen-SS integrierten dänischen Korps zu finden. Die Verbindung der Werbung zur DNSAP und SS sollte nicht zu offensichtlich sein, deshalb war die Ernennung eines Parteimitglieds von deutscher Seite nicht erwünscht. Man wollte einen Mann mit integrem Ruf und nationaler Gesinnung, der in der Bevölkerung nicht im Verdacht stand „deutschfreundlich“ zu sein. Man stellte sich vor, dass man mit einem solchen Mann an der Spitze, auch die konservativen und nationalistischen Kreise als Potential für den deutschen Kriegsdienst erschließen könne. Man wurde auf den Kommandeur der 5. Artillerieabteilung in Holbæk, C.H. Kryssing, aufmerksam und suchte ihn am 27.6.1941 auf. Nachdem ihm die Pläne für die Aufstellung eines dänischen Freikorps unterbreitet wurden, sagte Kryssing nach einem Tag Bedenkzeit zu. Kryssings Entscheidung kam überraschend, da er weder Parteimitglied war, noch mit Sympathiebekundungen gegenüber dem Nationalsozialismus aufgefallen war. Er war einer der Offiziere, die den 9.4.1940, den Tag der Besetzung durch Deutschland, als „Tag der Schande“ erlebten, an dem man ohne Gegenwehr sein Vaterland preisgegeben hatte. Kryssings Briefe aus dieser Zeit offenbaren eine große Verachtung für die Entscheidung der Regierung zur Kapitulation. Sein Entschluss, ein dänisches Regiment unter deutschem Oberkommando in den Krieg zu führen, war wohl auch ein Versuch, die Ehre der Dänen als waffentragende Nation wiederherzustellen. Dass es dabei gegen die Sowjetunion ging, war natürlich ebenfalls bedeutend, denn eine antikommunistische Einstellung war bei Kryssing und dem Offizierskorps vorhanden, so dass einige in der Sowjetunion eine größere Gefahr für Dänemark sahen als in Deutschland. Kryssing forderte, dass das dänische Kriegsministerium und der König dem Vorhaben zuerst zustimmen mussten. Am 29.6. sandten Kryssing und der als zweiter Kommandant ausersehene Offizier Thor Jørgensen einen Brief an das Kriegsministerium, in dem sie um die Erlaubnis baten, von ihren Posten beurlaubt zu werden, um eine dänische Formation in den Kampf gegen den Kommunismus zu führen. Am selben Tag wurde im Fædrelandet die Aufstellung des Freikorps „Danmark“ verkündet, welches zusammen mit dem Regiment „Nordland“ „für das neue Europa und Dänemark gegen den Kommunismus“ (23) kämpfen solle. Freiwillige, die ihre Wehrpflicht nach 1931 abgeleistet hatten, könnten sich zum Freikorps melden, welches von „dänischen Offizieren und Unteroffizieren“ geleitet werde. Militärisch Unausgebildete sollten weiterhin zum Regiment „Nordland“ kommen. Der frühe Zeitpunkt der Bekanntmachung (die dänische Regierung hatte weder die Aufstellung des Freikorps noch Kryssings Antrag genehmigt) lässt darauf schließen, dass die DNSAP vollendete Tatsachen schaffen wollte, um so die Regierung unter Druck zu setzten. Dabei hatte sie auch die Unterstützung der deutschen Gesandtschaft. Renthe-Fink erbat am 29.6.1941 vom deutschen Außenministerium eine rasche offizielle Genehmigung des Freikorps, da sonst eine „außerordentlich günstige Stimmung verpasst“ (24) werde. Am 2. Juli wurde Renthe-Fink mitgeteilt, dass die Reichsregierung die „Aufstellung eines besonderen dänischen Freiwilligenverbandes“ erfreut begrüße. Das „Freikorps Dänemark soll organisatorisch zur Waffen-SS gehören, jedoch nicht (der) SS-Standarte Nordland eingegliedert werden“. Der finnischen Regierung sei zudem mitgeteilt worden, dass man von deutscher Seite eine „möglichst umfangreiche Einstellung dänischer Freiwillige in deutsche Heeresteile“ (25) wünsche, was faktisch eine Aufforderung dazu war, Dänen, die sich bei finnischen Stellen meldeten, auf das Freikorps zu verweisen. Scvavenius war abwesend als die Regierung bei einem Treffen am selben Tag beschloss, dass dänische Offiziere, die ins Freikorps eintreten wollten, die Erlaubnis hierzu nur erhalten sollten, wenn sie im Gegenzug aus dem dänischen Heer ausschieden (26). Dieser Beschluss wurde auf Betreiben Scavenius` allerdings bereits am nächsten Tag wieder revidiert (27). Scavenius wollte Deutschland nicht vor den Kopf stoßen und setzte durch, dass es den dänischen Freiwilligen für das Freikorps gestattet wurde, „aus der Nummer zu treten“ , so dass sie nach dem Krieg wieder mit demselben Rang in die dänischen Streitkräfte zurückkehren konnten. In einer Pressemitteilung des Außenministerium vom 3.7.1941 heißt es, dass „Oberstleutnant C.P. Kryssing, Chef der 5. Artillerieabteilung, Holbæk, mit der Billigung der königlichen dänischen Regierung das Kommando des Freikorps „Danmark“ übernommen (hat). Stabschef im Freikorps „Danmark“ ist Kapitän der Infanterie Thor Jørgensen. Das Korps steht unter dem Kommando dänischer Offiziere. Zum Freikorps „Danmark“ können sich alle melden, die ihre Wehrpflicht nach 1931 abgeleistet haben“ (28). Kryssing hatte in Verhandlungen mit dem SS-Werbechef Berger verschiedene Forderungen in Bezug auf das Freikorps gestellt: Die Einheit sollte „unpolitisch“, also nicht nationalsozialistisch ausgerichtet sein, was auch beinhaltete, dass die für die Waffen-SS obligatorische „weltanschauliche Schulung“ nicht stattfinden sollte. Die Freiwilligen sollten ausschließlich durch dänische Offiziere mit dänisch als Kommandosprache geführt werden und zudem in dänischen Uniformen und unter dänischer Flagge kämpfen. Das Tragen der dänischen Uniform wurde von deutscher Seite mit der Begründung abgelehnt, dass diese der russischen zu ähnlich sei, alle anderen Bedingungen wurden erfüllt. Allerdings zeigte sich bald, dass die von Kryssing gewünschte „unpolitische“ Ausrichtung nur aus taktischen Gründen zugesagt wurde, damit das Korps in der Bevölkerung nicht als reine DNSAP-Einheit betrachtet wurde. Am 5. Juli sandte die deutsche Gesandtschaft der dänischen Regierung ein Aide-mémoire (30) und teilte mit, dass die Reichsregierung erfreut über die Aufstellung des Freikorps „Danmark“ sei. Man sei einverstanden damit, dass das Freikorps „als besondere dänische Formation“ eingesetzt werde und bitte darum, dänische Wehrmachtsangehörige, die sich meldeten „zur Musterung freizustellen und, wenn sie angenommen werden, sie für die Dauer ihrer Zugehörigkeit zum Freikorps unter Beibehaltung ihrer Nummer zu beurlauben“. Man bitte weiterhin darum, alle dänischen Wehrmachtsteile „durch Tagesbefehl auf die Aufstellung des Freikorpshinzuweisen und die Möglichkeit des Eintritts bekanntzugeben“ und erwarte, dass die dänischen militärischen Kommandostellen „dem großen ideellen Zweck, den die Aufstellung des Freikorps verfolgt, Verständnis entgegenbringen und die Werbung nicht erschweren“. Wie ein Sitzungsprotokoll der Regierung vom 8. Juli zeigt, musste sich Scavenius bei der Frage des Freikorps gegen den heftigen Widerstand und die Bedenken anderer Kabinettsmitglieder mit seinen Ansichten durchsetzen (32). Auch von Seiten des Offizierskorps gab es Proteste, der Kriegsdienst für die deutsche Besatzungsmacht wurde hier von einigen als Landesverrat betrachtet. Aus einem Bericht des deutschen Diplomaten Hencke über ein Gespräch mit dem dänischen König geht hervor, dass dieser dem Freikorps gegenüber ebenfalls negativ eingestellt war. Er sagte u.a. „ihm käme dieses Freiwillligencorps wie eine Erscheinung aus Wallensteins Zeiten vor, wo man auch fremde Völkerschaften für die Kriegsführung anwarb“, genauso gut könne „man deutsche Soldaten in englische Uniformen stecken“ (33). Nun begann die öffentliche Werbung für das Freikorps. Es waren bereits acht Werbestellen und 24 Meldestellen in Dänemark errichtet worden (35), Plakate und Werbebroschuren wurden gedruckt und am 9. Juli erhielt Kryssing die Erlaubnis, eine Rede im dänischen Rundfunk zu verlesen. Dies bestätigte für viele nochmals den „offiziellen“ Charakter des Freikorps, weshalb im Folgenden etwas ausführlicher daraus zitiert werden soll. Kryssing sprach von der Bedrohung, die Russland für Dänemark darstelle, und betonte, dass es sich um einen europäischen Krieg handele. Er bestätigte den unpolitischen Charakter des Freikorps und wies darauf hin, dass das Freikorps „Danmark“ „mit der Billigung der dänischen Regierung aufgestellt“ worden sei. Er zitierte weiterhin die Regierungsverlautbarung Dänemarks zum Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion, in der von einem „gemeinsamen europäischen Interesse“ gesprochen werde, was impliziere, „dass das bolschewistische Russland Dänemarks Feind ist“. Diese Erkenntnis sei „für alle klarsehenden Dänen nichts Neues“, man brauche nur an den Winterkrieg und die Besetzung der baltischen Staaten zu denken. „Gleichgültig welche Einstellung wir sonst haben, wünschen wir alle zusammen, dass der Bolschewismus und dessen Bedrohung des Nordens zerstört werden muss. (...) Der Krieg gegen den Bolschewismus ist ein Kreuzzug, Europas Kreuzzug gegen das Vaterland der Gottlosigkeit, gegen die moderne asiatische Gefahr (...). Ich fordere alle waffenführenden dänischen Männer auf, an diesem Kreuzzug teilzunehmen (...) so dass wir in einer gemeinsamen Tat zusammenstehen und dadurch unserem Vaterland den Platz sichern, der ihm beim europäischen Wiederaufbau zusteht“. Auch Dänemark müsse seine Stimme ertönen lassen, „im großen Entscheidungskampf, dessen Endziel die totale Ausradierung des Kommunismus ist“. Kryssing schloss mit den Worten: „Sei beim Kampf für die Zukunft unsres Vaterlandes mit dabei und sichere die Ruhe (Frieden) in Europa. Sei mit im Geleit. Schließ in die Reihen auf. Mit dem Freikorps „Danmark“ marschieren wir der Zukunft entgegen, im unverrückbaren Glauben an das ewige Bestehen unseres Vaterlandes. Das Motto des Freikorps ist: ‚Für Dänemark’“ (36) .
Kryssings Argumentation deckt sich in weiten Teilen mit den ersten Angriffsrechtfertigungen Deutschlands, z.B. bei der Betonung Europas. Neben einem extremen Nationalismus und Antikommunismus offenbart Kryssing auch rassistische Vorurteile, wenn er von der „asiatischen Gefahr“ spricht. Von hier aus ist es zu den „Untermenschen-Theorien“ der Nazis nicht weit. Am 17. und 18. Juli befand sich Berger in Kopenhagen und besprach letzte zu klärende Punkte bezüglich des Freikorps mit Vertretern der örtlichen SS-Ergänzungsstelle, sowie mit Kryssing und Clausen (38). Am 5. August wurde in Langenhorn der Fahneneid zelebriert (42). Wiederum war der dänische Generalkonsul anwesend, der auch einen Bericht für das Außenministerium anfertigte. Außerdem hatten sich Vertreter der Wehrmacht und der Polizei eingefunden. Die Waffen-SS war mit Gruppenführer Hans Jüttner, dem Chef des SS-Führungshauptamtes, auf besonders hohem Niveau vertreten. Kryssing hielt eine kurze Rede, bevor die Freiwilligen folgenden Eid in dänischer Sprache ablegten:
„Ich schwöre vor Gott den heiligen Eid, dass ich im Kampf gegen den Bolschewismus dem obersten Befehlshaber der deutschen Wehrmacht, Adolf Hitler, unbedingten Gehorsam leiste und als tapferer Soldat bereit bin, zu jeder Zeit mein Leben für diesen Eid zu geben.“ (43) Am 13.9.1941 wurde das Freikorps in die Kaserne Treskau im besetzten Polen verlegt. Ein Grund dafür war, dass es hier wesentlich bessere Manöverbedingungen gab als in Langenhorn. Entgegen den ursprünglichen Planungen hatten lediglich 40% der Freiwilligen bereits ihren Wehrdienst abgeleistet, so dass die militärische Ausbildung oberste Priorität hatte.
In Treskau kam es auch zu Konflikten zwischen Kryssing und der SS. Schon bevor das Freikorps dort ankam, war SS-Hauptsturmführer Masell nach Treskau beordert worden. Er sollte die weitere Ausbildung der Dänen übernehmen, was einen klaren Bruch der Vereinbarungen zwischen Kryssing und Berger darstellte. Kryssing konnte Ende September noch einen kleinen Erfolg verzeichnen, als er durchsetzte, dass das Freikorps, wie zuvor ohnehin zugesichert worden war, motorisiert wurde. Die deutschen Stellen forderten die notwendige Ausrüstung von der dänischen Regierung. Hier setzte sich Scavenius erneut durch und entsprach den deutschen Wünschen, so dass im Oktober 60 LKW, 60 PKW und 70 Motorräder an das Freikorps geliefert wurde (44). Masell forderte noch weitergehende Maßnahmen: neben einer Absetzung Kryssings schlug er auch eine Auflösung des Freikorps und die Überführung der Soldaten in die bereits bestehende „pangermanische“ Division „Wiking“ vor (47). Beides wurde aber von Renthe-Fink als „politisch nicht tragbar“ abgelehnt. Kryssing müsse „auf alle Fälle nach wie vor als der Kommandeur des Freikorps fungieren“. Es sei höchstens möglich, ihm ein zeitweiliges Frontkommando in der Division „Wiking“ zu übertragen, damit er hier die Möglichkeit hätte praktische Erfahrungen für das Freikorps zu sammeln. Eine Regelung dieser Art dürfe aber „nach außen hin so wenig wie möglich in Erscheinung treten“. Grund für die Bedenken Renthe-Finks war die Befürchtung, dass sich eine Absetzung Kryssings negativ auf die Werbung in Dänemark auswirken könnte. Mitte Februar wurde eine Inspektion des Freikorps durchgeführt, welches zu diesem Zeitpunkt eigentlich kampftauglich sein sollte. Das Ergebnis fiel vernichtend aus, den Beschluss, Kryssing abzusetzen, hatte Himmler allerdings schon zuvor getroffen. Die Inspektion diente hierzu wohl nur als Vorwand. In Himmlers Dienstkalender ist bereits am 4. Februar der Eintrag zu finden: „Dänenbatlon. - Kommandeurwechsel“ (48), er hatte sich auch schon auf den in der Division „Wiking“ dienenden dänischen Offizier von Schalburg festgelegt. Dieser galt als fanatischer Antisemit und Antikommunist, war überzeugter Nationalsozialist und sollte das Freikorps zu einer „echten“ Einheit der Waffen-SS formen. Aus unbekannten Gründen wurde der Kommandeurswechsel jedoch nicht sofort vollzogen und im Freikorps kam es in den folgenden Tagen zu meutereiähnlichen Vorkommnissen. Während einer Übung agitierten nationalsozialistische dänische Offiziere für eine Absetzung Kryssings zum Vorteil von Schalburgs und wurden daraufhin unter Arrest gestellt (49). Zwei Tage später waren die Wände der Kaserne mit Parolen wie „Weg mit dem Demokraten Kryssing“ bemalt. Daraufhin wurde Kryssing nach Berlin beordert und schied am 23. Februar aus dem Freikorps aus. Schalburg betonte die weltanschauliche Schulung und versuchte das Freikorps im Sinne des Nationalsozialismus ideologisch einheitlich auszurichten und auf den „erbarmungslosen Kampf gegen den Bolschewismus“ vorzubereiten.
* Dieser Artikel basiert auf meiner Magisterarbeit zum Thema „Dänische Freiwillige in der Waffen-SS“. Anmerkungen |
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