| Forum "Barbarossa": Beitrag 1 - 2003 |
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Stalingrad in deutschen Schulgeschichtsbüchern von Wigbert Benz 1. Bildungspolitische Phasen der Unterrichtung nach dem Krieg Die Unterrichtung des Themenkomplexes Nationalsozialismus, Holocaust, Zweiter Weltkrieg und auch Stalingrad wurde und wird immer auch vom jeweiligen politischen Hintergrund beeinflusst. Falk Pingel vom Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung unterscheidet in dieser Hinsicht vier Phasen, die sich in den Schulgeschichtsbüchern widerspiegeln (1): - Während der ersten Phase
(Besatzungszeit bis zur Konstituierung der Bundesrepublik) wurde durchaus
auf Judenmord und Vernichtungskrieg bezug genommen und die Frage nach
der Verantwortlichkeit der Mitläufer gestellt. In den bildungspolitischen
Deklarationen der unmittelbaren Nachkriegszeit war eine entschiedene Abkehr
von der klassischen Kriegsgeschichte und die Hinwendung des Geschichtsunterrichts
zur historisch-politischen Bildung intendiert, die einen praktischen Beitrag
für die Erziehung der jungen Generation pro Frieden, Demokratie und
Völkerverständigung und kontra Krieg leisten sollte. Diese Zielvorstellung
bestätigen auch die Resultate der Bielefelder Dissertation von Dieter
Gebhardt zu Militär und Krieg im Geschichtsunterricht nach 1945 (2).
2. Bisherige Schulbuchanalysen zur Darstellung des "Unternehmens Barbarossa" Diese insgesamt für die
Rezeption von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg in der historisch-politischen
Bildung der Bundesrepublik Deutschland skizzierten Phasen setzen auch
die Rahmenbedingungen für die Unterrichtung über das "Unternehmen
Barbarossa" als Vernichtungskrieg. Die Thematisierung des Vernichtungskrieges
galt allerdings lange Zeit - im Unterschied zu anderen Aspekten des Nationalsozialismus
- als weitgehend tabu. Hans-Heinrich Nolte hat in seiner vergleichenden
Analyse der Darstellung des "Unternehmens Barbarossa" bzw. des
"Großen Vaterländischen Krieges" in bis Anfang der
80er Jahre erschienenen bundesdeutschen bzw. sowjetischen Schulgeschichtsbüchern
folgendes Fazit gezogen: In sowjetischen Schulgeschichtsbüchern wird
der Völkermord besonders auf die Slawen bezogen, die im "Großen
Vaterländischen Krieg" von den deutschen Okkupatoren ausgebeutet,
versklavt oder ermordet wurden; die gegen die Juden gewendete Richtung
des Genozids bleibt so gut wie unerwähnt. In deutschen Schulgeschichtsbüchern
fällt die Verengung des Blickwinkels auf die eigene Nation dergestalt
auf, dass Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg, einschließlich
des "Unternehmens Barbarossa", eher als Schicksal und Verhängnis
für Deutschland interpretiert denn als Katastrophe für die europäischen
Nachbarn, besonders der Sowjetunion als dem hauptleidtragenden Nachbarn,
dargestellt werden. (8) Das gilt so nicht für die Darstellung des
"Unternehmens Barbarossa" in den Schulbüchern der ehemaligen
DDR, für die Ernst Uhe schon in seiner 1975 veröffentlichten
Dissertation eine "sehr ausführliche Beschäftigung mit
den Zerstörungen und Verwüstungen durch die deutsche Wehrmacht
und die nachrückenden Organisationen" festgestellt hat. (9) 3. Lehrplanvorgaben, "Barbarossa"- und Stalingrad-Bild Wenn die These Karl-Ernst Jeismanns zutrifft, dass "die Analyse der Lehrpläne ein Weg [ist], Geschichtsbewusstsein in der Gesellschaft in einem bestimmten, aus langer Diskussion hervorgegangenen, gleichsam festen Aggregatzustand zu erfassen" (14) , dann legt die Untersuchung eben dieser Lehrpläne zum Problemkomplex Zweiter Weltkrieg und Stalingrad folgenden Schluss nahe: Die deutsche Nachkriegsgesellschaft hat diese historische Schuld weitgehend verdrängt. Sie vermittelt über ihre Schulen ein eher marginales Wissen über die Stalingrader Schlacht, deren Ursachen, Charakter und Auswirkungen. So sehen die Lehrpläne der meisten Bundesländer für die Unterrichtung des gesamtem Zweiten Weltkrieges in der Sekundarstufe I ca. acht bis zehn Stunden vor. Dem Lehrer wird, setzt er sich nicht über die amtlichen Vorgaben hinweg, in der Regel gerade mal eine einzige volle Unterrichtsstunde für die Thematisierung Stalingrads zur Verfügung stehen. Man muss kein Pädagoge sein, um sich vorstellen zu können, was von dem mehr oder weniger großen Bruchteil einer Unterrichtsstunde im Wissensspeicher und Bedeutungshorizont der Heranwachsenden verbleiben wird. Da Stalingrad im Kontext der Lehrplaneinheiten zum Zweiten Weltkrieg, wenn überhaupt eigens erwähnt, nur als ein Stichwort von vielen innerhalb des Stoffkataloges genannt wird, unterbleiben Hinweise für die qualitative Seite der Unterrichtung, z. B. werden keine anzustrebenden Lernziele für die Erörterung Stalingrads aufgeführt. Allenfalls erfolgt die Zuordnung des Stichworts Stalingrad zur Kategorie "Kriegswende". (15) Diese sehr vagen Vorgaben der Lehrpläne geben zwar den Lehrkräften, abgesehen von dem engen Zeitkontingent, nicht nur weitgehend methodische, sondern auch inhaltliche Freiheiten bei der Unterrichtung des Russlandfeldzuges und der Stalingrader Schlacht. Sie versäumen es aber ein dezidiertes Gegengewicht zu einem öffentlichen Stalingrad-Bild zu entfalten, das bis heute in die Schulen hineinwirkt. In dieser Vorstellung sind die Soldaten der Wehrmacht mal Helden, mal Opfer, nie aber Täter. So zeichnen die als "populärwissenschaftlich" verharmlosten Machwerke des ehemaligen SS-Obersturmbannführers und Pressechefs NS-Außenminister Ribbentrops Paul Karl Schmidt (16) , der unter dem Pseudonym Paul Carell von den 60er bis in die 90er Jahre Bestseller zum "Unternehmen Barbarossa" verfasste und sich noch heute in immer neuen Auflagen großer Beliebtheit erfreuen, ein edles Bild der Wehrmacht. Carells "Unternehmen Barbarossa" hat das Bild des Krieges gegen die Sowjetunion geprägt. Es war ein sauberer, notwendiger und kameradschaftlicher Krieg. Ein Krieg, in dem es deutsches Heldentum und keine Verbrechen der Wehrmacht gab. (17) In seinem letzten ebenfalls vielfach verkauften Stalingrad-Buch 1992 verschaffte Carell dem NS-Mythos vom sinnvollen Kampf ("Sie starben, damit NS-Deutschland lebe") neuen Auftrieb, indem er die falsche Behauptung, nach Stalingrad sei der Ausgang des Krieges noch offen gewesen, als Essenz neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse deklarierte. Seiner Linie als skrupelloser Propagandist bleibt er auch diesmal treu: Der Krieg wurde dem Deutschen Reich aufgezwungen. Kriegsverbrechen der Wehrmacht hat es niemals gegeben. (18) Eine persönliche Anmerkung: Voller Stolz kamen Schüler von mir mit diesem Machwerk aus dem Bücherschrank der Eltern zu mir in den Unterricht. 4. Die Stalingrad-Rezeption in Schulgeschichtsbüchern der 70er und 80er Jahre Wie spiegelt sich nun die Stalingrader Schlacht in den Lehrwerken für den Geschichtsunterricht wider? Deren Bedeutung bis hin zur Funktion als "heimlicher Lehrplan" im Unterschied zu den offiziellen Lehrplänen sollte nicht unterschätzt werden, denn "empirische Untersuchungen bei Geschichtslehrern und Schülern lassen keinen Zweifel darüber, dass im Fach Geschichte das Schulbuch mit Abstand das wichtigste Unterrichtsmedium darstellt". (19) Wird primär aus der Perspektive der politischen und militärischen Führung berichtet, oder spielen auch die Erfahrungen des "kleinen Mannes", der großen Masse der Soldaten und wenn ja, auch die der anderen Seite, des Kriegsgegners eine Rolle? In meiner Darstellung zur Stalingradrezeption in deutschen Schulgeschichtsbüchern hatte ich vor zehn Jahren Schulgeschichtsbücher der 70er und 80er Jahre analysiert. Sieben an bundesdeutschen Schulen weitverbreitete Schulbuchausgaben sowie ein Lehrwerk für den Geschichtsunterricht der ehemaligen DDR wurden auf die angeschnittene Fragestellung hin untersucht. (20) Von den untersuchten Schulbüchern wenden sich "Die Reise in die Vergangenheit" sowie "Geschichte für morgen" an Hauptschulen; ersteres ist das seit Jahrzehnten dominierende Lehrwerk dieser Schulart. "Unsere Geschichte" findet sowohl an Realschulen als auch Gymnasien sehr große Verbreitung. Bei "Zeiten und Menschen", "Spiegel der Zeiten" und "Geschichtsbuch" handelt es sich um vorwiegend gymnasiale Lehrbücher. "Fragen an die Geschichte" hat weithin Funktionen eines Quellenhandbuches für Lehrer übernommen, und "Geschichte. Lehrbuch für Klasse 9" war nahezu zwei Jahrzehnte ohne große Veränderungen das verbindliche Geschichtsbuch in der früheren DDR. Die untersuchten Schulgeschichtsbücher widmen dem Zweiten Weltkrieg einschließlich der ihm vorausgehenden NS-Außenpolitik zwischen 16 und 71 Seiten; davon etwa die Hälfte bis zum Überfall auf die Sowjetunion. Den quantitativ größten Anteil zur Darstellung des Zweiten Weltkrieges liefert das ehemalige DDR-Lehrwerk, den geringsten - für ein Werk mit Funktionen eines Quellenhandbuches für Lehrer überraschend, "Fragen an die Geschichte". Das so betitelte "Geschichtsbuch" entzieht sich durch seine Konzeption - Integration des Zweiten Weltkrieges in den Themenbereich "Nationalsozialismus und Faschismus: Industriegesellschaft ohne Demokratie" mit biographischen Fallbeispielen - einer quantitativen Analyse. Signifikant sind die äußerst knappen Weltkriegsdarstellungen in Lehrbüchern, die sich vorwiegend an Hauptschulen wenden mit 20 bzw. 26 Seiten, gegenüber denen, die Realschüler und Gymnasiasten als primäre Adressaten haben und diese auf 40 bis 49 Seiten wesentlich umfassender über die gleiche Thematik unterrichten . Erklärend sei hinzugefügt, dass die hierarchische Gliederung der Schularten in Deutschland in Hauptschule, Realschule und Gymnasium etwa den früheren Stufen der Volks-, Mittel- und Oberschule entspricht. Hauptschüler erfahren also in ihren Schulgeschichtsbüchern weniger über den Zweiten Weltkrieg einschließlich des "Unternehmens Barbarossa" als gleichaltrige Realschüler oder Gymnasiasten. Dieser erste wesentliche Befund bestätigt die Ergebnisse Hans-Heinrich Noltes, der 1984 zu dem Schluss kommt: "Da der Gesamtumfang zwischen diesen beiden Typen (Gymnasium auf der einen, Hauptschule auf der anderen Seite; W.B.) keineswegs im gleichen Ausmaß differenziert, fällt der schultypbezogene Unterschied in der Aufmerksamkeit, die dem Gegenstand gewidmet wird, ins Gewicht." (21) Die analysierten Schulgeschichtsbücher widmen der Stalingrader Schlacht in der Regel weniger als eine Druckseite Text, ein Faktum, das zu den bereits skizzierten Lehrplanvorgaben kongruent erscheint. Erfahrungen der großen Masse einfacher Soldaten, aus deren Blickwinkel präsentiert, spielen in keiner der Schulbuchdarstellungen auch nur eine marginale Rolle. Feldpostbriefe oder Tagebuchnotizen, die das Schicksal des "kleinen Mannes" vor Augen führen könnten, werden weder für den darstellenden noch den Quellen- bzw. Materialteil eines der untersuchten Lehrwerke ausgewertet. Auch kein noch so kleiner Auszug der zugegebenermaßen wenigen annähernd authentischen Kriegsromane (z. B. von Plievier) findet Berücksichtigung. Das Schicksal der anderen Seite, des Kriegsgegners bei Stalingrad, kommt überhaupt nicht zur Sprache. Als Positivum hingegen - auch
vor dem Hintergrund einer im Gegensatz zu den Lehrwerken der sechziger
und siebziger Jahre in aktuellen Schulbuchdarstellungen zum Gesamtkomplex
des "Unternehmens Barbarossa" feststellbaren Tendenz hin zur
zunehmenden Rezeption des Vernichtungscharakters gerade dieses Krieges
- kann festgehalten werden, dass immerhin sechs der acht untersuchten
Geschichtsbücher die Zahl der umgekommenen und in Gefangenschaft
geratenen Soldaten der 6. Armee angeben. (22) Über nüchterne
Zahlenangaben hinaus geht "Unsere Geschichte", das nicht nur
aus dem Kriegstagebuch des 0KW u. a. den Funkspruch von Paulus an Hitler
vom 23. Januar 1943 mit den Worten zitiert, "die durch Kälte,
Hunger, Seuchen verursachten Leiden der Truppe sind nicht mehr zu ertragen",
sondern auch über die Rede Görings vom 30. Januar 1943 berichtet,
die "im noch deutsch besetzten Russland nach Stalingrad gestrahlt
und dort von vielen deutschen Soldaten - auch auf den Verbandsplätzen
-mitangehört [wurde]" und in der Göring die bekannte Grabschrift
"Wanderer kommst du nach Sparta... " mit folgenden Worten auf
die im Kessel Eingeschlossenen bezog: "Wanderer, kommst du nach Deutschland,
berichte, du hast uns hier sterben gesehen, wie das Gesetz es befahl."
(23) 5. Die Stalingrad-Rezeption in Schulgeschichtsbüchern der 1990er Jahre Die genannten Schulgeschichtsbücher haben diese inhaltlichen Darstellungen zur Stalingrad-Rezeption auch in ihren aktuellen Ausgaben übernommen. Zusätzlich wurden neu konzipierte und oder erstmals in den 90er Jahren erschienene Unterrichtswerke analysiert. (28) In diesen Schulgeschichtsbüchern ist der quantitative Anteil der Darstellungen, einschließlich Quellen und Materialien, zum Zweiten Weltkrieg weiter zurückgegangen. Er beträgt zwischen maximal 31 Seiten bei "Anno" sowie "Geschichte 13" und minimal 12 Seiten bei dem "Geschichtsbuch 4". Der Durchschnittswert der sechs Lehrwerke liegt bei 22 Seiten. Für die Stalingrader Schlacht und ihre Rezeption werden dabei zwischen 10 Zeilen, ja, nicht Seiten, sondern Zeilen im "Geschichtsbuch 4" sowie vier Seiten bei "Wir machen Geschichte" zugestanden; der Durchschnittswert liegt bei einer Seite. Alle diese Lehrwerke mit Ausnahme von "Geschichte 13" und "Geschichtsbuch 4" enthalten Augenzeugenberichte oder Feldpostbriefe von deutschen Soldaten. Die 6.Armee erscheint den Schülern als eine Ansammlung von Soldaten, die von Hitler sinnlos geopfert wurden. Sie erfahren nichts über den zumindest partiell von Kriegsverbrechen geprägten Vormarsch der 6.Armee bis Stalingrad, wie er 1995 in der ersten sog. "Wehrmachtsausstellung" des Hamburger Instituts für Sozialforschung dokumentiert ist. (29) Die Schüler erschauern, dass in Stalingrad nach der Kapitulation des General Paulus nur 5000 von noch verbliebenen 110000 Soldaten einer ursprünglich 300000 Mann starken Armee die Gefangenschaft überleben. Sie lesen verzweifelte Feldpostbriefe oder Erinnerungsberichte deutscher Landser. Insofern ist die Perspektive des "kleinen Mannes" als Opfer berücksichtigt. Ausgeblendet werden die Gründe, warum diese Schlacht um Stalingrad überhaupt geschlagen wurde, die über die ideologischen Pläne Hitlers zur "Eroberung von Lebensraum im Osten" hinausgehen. Selbst die gröbsten militärstrategischen Erwägungen zum Stalingrad- und Kaukasusfeldzug werden den Jugendlichen vorenthalten. Sie erfahren nicht, dass mit der geplanten Eroberung Stalingrads das Rüstungszentrum an der Wolga ausgeschaltet, Moskau von einer wichtigen Verbindungslinie mit den Angloamerikanern abgeschnitten und die Eroberung der kaukasischen Erdölquellen flankiert werden sollte. Nur die zwei nachfolgend ausführlicher dargestellten Lehrwerke gehen darauf angemessen ein. Dies trifft auch auf den in der Geschichtsdidaktik so oft beschworenen Perspektivenwechsel zu. Die meisten Schulgeschichtsbücher informieren nicht über den Sachverhalt, dass ganz abgesehen vom Russlandfeldzug insgesamt, auch bei der Stalingrader Schlacht selbst, die als Opfergang der 6.Armee dargestellt wird, mehr russische Soldaten bei der Verteidigung ihrer Stadt ihr Leben ließen. Es gibt jedoch Ausnahmen von dieser hier skizzierten Gesamtsituation der Stalingrad-Rezeption in aktuellen deutschen Schulgeschichtsbüchern, die von großen Schulbuchverlagen herausgegeben werden und durchaus zu den am meisten verbreiteten Schulgeschichtsbüchern zu zählen sind: - Das gymnasiale Lehrwerk "Anno"
stellt den Feldzugsplan mit der doppelten Zielsetzung dar, "sowohl
das an der Wolga gelegene Verkehrs- und Rüstungszentrum Stalingrad
auszuschalten als auch die Erdölfelder des Kaukasus zu erobern".
Durch einen Auszug aus der Denkschrift des Generals Seydlitz-Kurzbach
vom 25.November 1942, in der er fordert, sich notfalls die Handlungsfreiheit
zum Ausbruch aus dem Kessel auch gegen Hitlers Willen zu nehmen, werden
über Hitler hinausgehende Verantwortlichkeiten angesprochen, zumal
der entsprechende Arbeitsauftrag an die Schüler lautet: "Gehorsam
gegenüber Hitler oder Verantwortung gegenüber den Soldaten?
Diskutieren Sie diese Entscheidungssituation." Zudem druckt das Buch
drei Feldpostbriefe deutscher Soldaten aus Stalingrad vom 19.November
1942 bis zum 12.Januar 1943, die den Prozess von der Illusion, sich auf
Hitler "100prozentig verlassen" zu können (19.11.42) bis
zur verzweifelten Aussage reichen, "die Hoffnung auf Befreiung schwindet
immer mehr, so was zu erleben hätte ich nie geglaubt, und meine Gesinnung:
nie wieder Krieg (12.1.43)". Die Jugendlichen werden aufgefordert,
die Soldatenbriefe mit der offiziellen Berichterstattung zu vergleichen.
Zudem erhalten sie Auszüge aus Goebbels Rede vom 4.Februar 1943 zur
Instrumentalisierung Stalingrads als Helden- und Opfermythos für
den totalen Krieg, ergänzt durch die Schlagzeilen des "Völkischen
Beobachters vom gleichen Tag: "Der Kampf der 6.Armee um Stalingrad
zu Ende. Sie starben, damit Deutschland lebe." Sie werden aufgefordert,
sich mit dieser Schlagzeile kritisch auseinander zu setzen und eine Schlagzeile
für eine in einem neutralen Land erscheinende Zeitung zu formulieren.
(30) Anmerkungen / Literatur / Schulgeschichtsbücher: (1) Vgl. zum Folgenden: Pingel,
Falk: Nationalsozialismus und Holocaust in westdeutschen Schulbüchern.
In: Steininger, Rolf (Hg.): Der Umgang mit dem Holocaust. Europa –
USA – Israel. Wien/Köln/Weimar 2. Aufl. 1994, S. 221-232 |
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| © Wigbert Benz |
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| URL: http://www.historisches-centrum.de/forum/benz03-1.html |