Meissen
1710
bis heute |
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Die
erste europäische Porzellanmanufaktur wurde 1710 von August
dem Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen,
gegründet. Zwei Jahre zuvor war es dem Wissenschaftler
Walter Ehrenfried von Tschiernhausen und dem Alchimisten
Johann Friedrich Böttger gelungen, Porzellan herzustellen.
Die Manufaktur wurde auf der Albrechtsburg in Meissen
eingerichtet. Um das Geheimnis der Porzellanherstellung zu
wahren, wurden die Mitarbeiter fast wie Gefangene gehalten.
Johann
Friedrich Böttger leitete die Manufaktur bis zu seinem Tod
1719 (Böttger - Zeit 1710 - 1719).
Bei der
Formgebung wurde zuerst entweder chinesisches Porzellan
imitiert oder man orientierte sich am Aussehen der Gefässe
von Silberschmieden. Erst langsam entwickelte sich eine
eigenständige Formgebung für das Porzellan. Bei der
Bemalung wurden anfangs vor allem Gold und Silber verwandt.
Viele der frühen Stücke wurden von den Augsburger
"Hausmalern" bemalt. Erst nachdem 1720 der aus
Jena stammende Maler und Farbchemiker Johann Gregor Höroldt
in die Manufaktur eintrat, wurde das Porzellan verstärkt in
der Malstube der Manufaktur bemalt. Höroldt entwickelte
eine Vielzahl von farbigen Glasuren und prägte für viele
Jahre den Stil der Dekoration des Porzellans (Höroldt -
Zeit 1719 - 1731).
Mit dem
Eintritt des Bildhauers Johann Joachim Kändler 1731 wurde
das plastische Dekor des Porzellans betont. Durch die
Formgebung von Kändler und die Farben von Höroldt
entstanden in Meissen Meisterwerke der Porzellankunst im
Stil des Rokokos (Höroldt – Kändlersche Zeit 1731 -
1763). Kändler
fand den Anschluß des Stilwandels vom Rokoko zum
Klassizismus nicht mehr und schied 1765 aus der Manufaktur
aus.
Höchst
1746
- 1796 |

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Obwohl
man sich in Meissen bemühte, das Geheimnis der
Porzellanherstellung nicht in die Öffentlichkeit zu tragen,
gelang dieses Vorhaben zur Sicherung einer Monopolstellung
nicht. So entstanden nach und nach auch an anderen Orten
Porzellanmanufakturen. Die Manufaktur in Höchst wurde 1746
vom Mainzer Kurfürst Johann Friedrich Karl von Ostein
gegründet.
In den
Anfangsjahren wurde nur Fayence hergestellt. Erst ab 1749
gelang es unter der Leitung von Johannes Benckgraff,
Porzellan herzustellen. Dieser wechselte aber schon 1753
nach Fürstenberg. In der Formgebung des Porzellans lehnte
man sich in der Frühzeit stark an die Vorbilder aus China
und Meissen an.
In den
folgenden Jahren geriet die Manufaktur in
Finanzschwie-rigkeiten und stand unter Konkursverwaltung.
1765 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.
Nachdem Johann Peter Melchior 1767 als Modellmeister in den
Dienst der Manufaktur trat, wurde das künstlerische Niveau
auf eine beachtliche Höhe gebracht. Besonders die
figürlichen Plastiken machten die Höchster Manufaktur
berühmt, während dessen die Geschirrproduktion an
Bedeutung abnahm. Einer
der wichtigsten Maler der Manufaktur war Heinrich Usinger,
der von 1774 bis 1784 in Höchst tätig war und als
Spezialist für mythologische Szenen galt.
Kurfürst
Friedrich Karl Joseph Freiherr von Erthal wurde 1778
alleiniger Besitzer der Manufaktur. 1796 stellte die
Porzellanmanfaktur Höchst die Produktion ein.
Fürstenberg
1747
bis heute |
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Auf
Betreiben von Herzog Karl I. von Braunschweig wurde 1747 auf
dem Schloss zu Fürstenberg eine Porzellanmanufaktur
gegründet. Aber erst nachdem 1753 Johannes Benckgraff, der
Direktor der Porzellanmanufaktur Höchst, abgeworben wurde,
konnte befriedigendes Porzellan hergestellt werden.
Benckgraff brachte auch noch seinen Schwiegersohn, den Maler
Johannes Zeschinger, und den Modelleur Simon Feilner von
Höchst mit.
Neben
der Vasenproduktion, die in keiner anderen Manufaktur so
ausgeprägt war, stand besonders das Geschirr im
Vorder-grund. Mängel, wie verzogenes Porzellan sowie Brand-
und Flugascheflecken, wurden durch die hervorragende Malerei
ausgeglichen. Neben der üblichen Kopie von Meißner
Geschirr-dekoren entwickelte Fürstenberg selbständig das
sogenannte "Gravierte Muster". Die figürliche
Darstellung war in Fürstenberg nicht so stark ausgeprägt
und blieb hinter der Malerei zurück. Als
Landschaftsmaler waren unter anderem Johann Heinrich
Eisenträger und Pascha Johann Friedrich Weitsch tätig. C.
G. Albert war einer von mehreren Federviehmalern, wenngleich
auch der künstlerisch wichtigste. Von ihm stammt die
Malerei auf dem um 1770 entstandenen Service mit dem
kostümierten Federvieh.
Die
Blütezeit der Manufaktur lag zwischen 1770 und 1790. In
dieser Zeit vollzog sich auch der Stilwandel vom Rokoko zum
Klassizismus. Obwohl
die wirtschaftliche Lage der Porzellanmanufakturen im 19.
Jahrhundert häufig sehr schlecht war, blieb sie doch
bestehen. Ab 1859 wurde sie mehrfach verpachtet, 1876
schließlich verkauft und 1888 in eine Aktiengesellschaft
umgewandelt.
Frankenthal
1755
– 1800 |
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Im Jahre
1755 erteilte Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz Paul
Anton Hannong das Privileg, in Frankenthal Porzellan
herstellen zu dürfen. Hannong kam aus Straßburg, wo er
durch das Verbot König Ludwigs XV., Porzellan außerhalb
seiner Manufaktur in Vinncennes herzustellen, nicht mehr
weiterarbeiten konnte.
Aufgrund
wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde die Manufaktur 1762
an den Kurfürsten verkauft. Dieser setzte Adam Bergdoll aus
Höchst als Direktor ein. Unter Bergdolls Leitung erlebte
die Manufaktur eine künstlerische Blüte. Von 1775 bis 1793
stand das Unternehmen unter der Leitung von Simon Feilner,
der zu-vor in den Porzellanmanufakturen Höchst und
Fürstenberg tätig war.
Den
hervorragenden Figurenplastiken der Vetter Johann Friedrich
und Karl Gottlieb Lück sowie Konrad Linck und Johann Peter
Melchior verdankte die Manufaktur Frankenthal ihren guten
Ruf. Beim Geschirr folgte man im Dekor schon früh dem
französischen Beispiel von Sèveres.
Das
Unternehmen wurde 1795 nach der französischen Besetzung zum
französischen Nationaleigentum erklärt und Peter van Recum
unterstellt. Beim Abzug der Franzosen wurde die Manufaktur
an die kurfürstlichen Beamten zurückgegeben. Bei der
zweiten Besetzung wurde Frankenthal wieder französisches
Nationaleigentum. Die Kriegswirren versetzten dem
wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmen den Todesstoß. Im
Jahr 1800 löste Kurfürst Maximilian IV. die
Porzellanmanufaktur Frankenthal auf.
Ludwigsburg
1758
– 1824 |
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Nach
einigen Fehlschlägen von Privatunternehmern gründete
Herzog Karl Eugen von Württemberg 1758 eine eigene
Porzellanmanufaktur. Er erachtete sie als "notwendiges
Attribut des Glanzes und der Würde". Als
technischer Leiter wurde Joseph Jakob Ringler angestellt,
der die Manufaktur bis zu seinem Tode 1804 leitete.
Bedeutender
Modellmeister war Johann Christian Wilhelm Beyer, in dessen
Schaffensphase von 1759 – 1767 die Blütezeit der
Manufaktur fiel. Er vollzog den Wandel vom Rokoko zum
Klassizismus. Ludwigsburg machte sich als erste deutsche
Porzellanmanufaktur den klassizistischen Stil zu eigen. Aus
plump wirkenden Anfängen entwickelte sich recht schnell ein
rokokomässiger, malerischer Figurenstil. Nach der
Anstellung von Beyer wandelte sich das Aussehen der
Plastiken in eine die menschliche Figur betonende Richtung.
Wie bei
allen süddeutschen Manufakturen blieb auch in Ludwigsburg
die Geschirrproduktion hinter der figürlichen Plastik
zurück. Anfangs orientierte man sich in Ludwigsburg mit
Ozierrand, Rillen und Rippen an Meissen. Mit Kannen und
Terrinen auf Volutenfüßchen sowie einem Schuppendekor
entwickelte man bald einen eigenständigen Rokokostil.
Nach dem
Weggang von Beyer 1767 ließ die künstlerische Qualität
stark nach. Durch den Tod des Herzogs 1793 verlor die
Porzellanmanufaktur Ludwigsburg ihren wichtigsten Gönner
und Förderer, was zunehmend zum Verfall der Manufaktur
führte. Unter König Friedrich I. von Württemberg erlebte
sie ab 1806 mit Hilfe französischer Fachleute noch eine
kurze Blüte. Nach dessen Tod setzte erneut der Niedergang
ein, was 1824 zur endgültigen Schließung der
Porzellanmanufaktur führte.
Berlin
1751
bis heute |
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Die
erste Gründung der Berliner Porzellanmanufaktur erfolgte
1751 durch den Fabrikanten Wilhelm Caspar Wegely, der sich
Spezialisten und Arbeiter aus Höchst und Meißen holte.
Trotz Unterstützung durch den König musste die Manufaktur
1757 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten schliessen.
Vier Jahre
später erfolgte der zweite Versuch durch den Kauf-mann
Johann Ernst Gotzkowsky. Obwohl einige Fachleute von anderen
Manufakturen abgeworben wurden, war der Erfolg nur mässig.
Schon
1763 kaufte Friedrich II. (der Grosse) die Manufaktur auf,
die von nun an als Königliche bzw. ab 1918 als Staatliche
Porzellanmanufaktur betrieben wurde. Unter dem Einfluß des
Königs kam es zu einem erstaunlichen Aufschwung. Friedrich
der Große bestellte zahlreiche Tafelgeschirre für seine
Schlösser, so dass es in der Manufaktur zu einer großen
Formenvielfalt im Rokokostil kam. Künstlerisch orientierten
sich die Berliner Former und Maler stark an Meissen.
Nach dem
Tode Friedrich II. (des Grossen) vollzog sich langsam der
Übergang zum Klassizismus. Auch unter Friedrich Wilhelm II.
und Friedrich Wilhelm III. wurde die Manufaktur unterstützt
und war ausgezeichnet ausgestattet. Durch diese besondere
königliche Gunst überstand sie den allgemeinen Niedergang
der Porzellanmanufakturen Anfang des 19. Jahrhunderts recht
gut. Auch im Biedermeier arbeiteten führende Künstler, wie
Karl Friedrich Schinkel, der einige Gefässentwürfe schuf,
für die Königliche Manufaktur in Berlin.
Frankreich,
Holland und China
In
der Porzellansammlung von Laufenberg-Wittmann befindet sich
neben den Stücken aus deutschen Manufakturen auch Porzellan
und Fayence aus Frankreich, Holland und China. Das
französische Porzellan im klassizistischen Stil stammt
vorwiegend aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Unter
dem chinesischen Porzellan befindet sich sowohl echtes
chinesisches Porzellan als auch mehrere Imitationen von
China-Porzellan, die in Frankreich im 19. Jahrhundert
hergestellt wurden. Vor allem die Firma Samson aus Paris war
bekannt dafür, dass sie die schönsten Produkte anderer
Manufakturen in Europa und China kopierte.
Die zwei
Fayence-Stücke in der Sammlung Laufenberg-Wittmann stammen
aus dem 18. Jahrhundert und wurden in Delft und in
Frankreich hergestellt.
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