Stadtmuseum Hagen: 28. April bis 12. August 1999

Am 27. September 1940 ordnete Adolf Hitler die Verschickung von Kindern aus den luftkriegsgefährdeten Städten des Deutschen Reiches auf das Land an. Diese offiziell als „Erweiterte Kinderlandverschickung" bezeichnete Maßnahme entwickelte sich im weiteren Kriegsverlauf zu einer der größten Binnenwanderungen in der Geschichte. Etwa zwei Millionen Kinder wurden durch die Reichsdienststelle KLV zum Schutz vor den Luftangriffen in weit entfernte Teile des Reichs sowie in das "befreundete Ausland" verschickt. Auf sie konnte aber auch der nationalsozialistische Erziehungsapparat ungehindert einwirken, ohne dabei Gefahr zu laufen, daß nationalsozialistische Erziehungsziele von den Eltern konterkarriert wurden.

Das Thema Kinderlandverschickung hat bisher sowohl in der wissenschaftlichen Forschung als auch im Rahmen von Ausstellungen in Museen nur wenig Niederschlag gefunden. Das Stadtmuseum Hagen hat jetzt basierend auf den Forschungen des Historikers Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut der Universität Dortmund eine Ausstellung konzipiert, die die vielschichtigen Implikationen der Kinderlandverschickung im „Dritten Reich" beleuchtet. Die Ausstellung versucht dabei, nicht nur die Eindrücke und Erinnerungen der ehemals verschickten Kinder wiederzugeben, sondern hinterfragt ebenso kritisch die Hintergründe der Maßnahme und zeigt die vielschichtige Realität der Verschickung auf, die von der „schönsten Zeit des Lebens" bis zu „furchtbaren Erlebnissen" reicht.

Die Exponate der Ausstellung wurden aus unterschiedlichen Archiven, Museen und zu einem ganz entscheidenden Teil von ehemals Verschickten zusammengetragen. Der Großteil der Exponate ist erstmals öffentlich zu sehen und exklusiv in dieser Ausstellung zugänglich gemacht. Das authentische Material gibt so einen umfassenden Überblick über die Kinderlandverschickung, ergänzt von erläuternden Inszenierungen und erklärenden Texten. Von besonderer Bedeutung sind auch die Filmdokumente, die über Videomonitore eingespielt werden. Abgeschlossen wird die Ausstellung mit einem Bereich zur Rezeption der Kinderlandverschickung der ehemals Verschickten.

Als Katalog zur Ausstellung dient das Buch: Gerhard E. Sollbach, Heimat ade! Kinderlandverschickung in Hagen 1941-1945, Hagen 1998 (erschienen als Bd. 7 der Schriftenreihe Hagener Stadtgeschichte[n])

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