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Anne Frank Zentrum
[Website in Vorbereitung]

 

Das Tagebuch
Tagebuch der Anne Frank

Anne Frank Diary Reference

(von Suzanne Morine
, in Englisch)

 

Die Ausstellung
Die internationale Wanderausstellung "Anne Frank - eine Geschichte für heute" erzählt die Lebensgeschichte Anne Franks aus der Perspektive der Familie Frank und läßt andere Zeitzeugen ein Bild der Geschichte des Holocausts skizzieren. Die Ausstellung beinhaltet viele Elemente, die die Besucher herausfordern, über Parallelen und Unterschiede zwischen vergangenen und gegenwärtigen Ereignissen nachzudenken. Die Ausstellung wurde konzipiert vom Anne-Frank-Haus in Amsterdam und wird betreut vom Anne-Frank-Zentrum in Berlin.

Inhaltlicher Aufbau der Ausstellung
Die Lebensgeschichte Anne Franks zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Im Lebensweg der Familie Frank spiegeln sich die Ereignisse in der Welt vor, während, und nach der Nazi-Diktatur wider. In der Ausstellung werden Fotos der Familie Frank den historischen Ereignissen gegenübergestellt, und zeigen so die konkreten Auswirkungen der Ereignisse, der politischen Entscheidungen und des Verhaltens Einzelner auf Menschen, die wie die Franks diskriminiert und verfolgt wurden. In den fünf Modulen der Ausstellung werden verschiedene Abschnitte der Lebensgeschichte Anne Franks vorgestellt. Diesen Abschnitten haben wir bestimmte Themen zugeordnet, die damals wie heute Relevanz haben und die wir mit Hilfe einzelner Porträts vertiefen.

Eröffnungspaneel
Mit seiner großen Verbreitung ist das Tagebuch der Anne Frank auch immer wieder unterschiedlich gedeutet und eingeschätzt worden. Viele Menschen lesen das Tagebuch und sehen Anne als Symbol für das Leiden von Millionen, das nur schwer vorstellbar ist; andere wiederum sehen in Anne vor allem das literarische Talent, und wieder andere fühlen sich durch die Gedanken und Ideen im Tagebuch gestärkt. Durch eine Vorstellung dieser unterschiedlichen Sichtweisen wollen wir den Ausgangspunkt aufnehmen, mit dem vielen Menschen in die Ausstellung kommen: die Lektüre des Tagebuches - vielleicht noch gar nicht einmal so lange zurück - im Kopf, und das Interesse an weitergehenden Eindrücken von diesem Mädchen.

Periode I: 1929-1933
Anne Frank wird am 12. Juni 1929 in das Deutschland der Zwanziger Jahre geboren, das von den sich vergrößernden Gegensätzen zwischen den politischen Lagern und den weitreichenden Folgen der Wirtschaftskrise geprägt ist. Von den Nazis wird der Glaube an die besondere Mission des Deutschen Volkes propagiert, Juden und andere Minderheiten werden als Sündenböcke für die desolate Lage verantwortlich gemacht. Die Familie Frank nimmt diese Veränderungen wahr - trotzdem verlebt Anne glückliche erste Kinderjahre. Fotos aus dieser Zeit bezeugen das "normale" Familienleben der Franks in Frankfurt am Main. Den ersten Jahren Anne Franks und den historischen Ereignissen wird ein Portrait gegenübergestellt: Otto Treumann, ein jüdisch-deutscher Junge, der in Nürnberg aufwuchs und der sowohl den Aufstieg der Nazis, als auch den wachsenden Nationalismus aus seiner Sicht kommentiert.

Periode II: 1933-1939
1933 beschließt die Familie Frank in die Niederlande auszuwandern. In Amsterdam bietet sich die Chance, eine neue wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Geängstigt durch die Regierungsübernahme der Nazis am 30. Januar 1933 ist die Emigration in die Niederlande auch der Versuch, sich vor der schnell einsetzenden Verfolgung und weitergehenden Diskriminierung in Sicherheit zu bringen. Und während in Deutschland so die Ausgrenzung von Juden und anderen Minderheiten immer unmenschlichere Züge annimmt, die schließlich einen ihrer Tiefpunkte in der Reichspogromnacht von 1938 findet, ist es in Amsterdam vorerst noch sicher für die Familie Frank. Anne kann weitere unbeschwerte Kindheitsjahre verbringen, die sie auch in ihrem Tagebuch beschreibt. Wieder wird diesem Lebensabschnitt Anne Franks ein Porträt gegenübergestellt: Hans Massaquoi, 1926 als Sohn einer Deutschen und ihres liberianischen Ehemannes geboren, berichtet über die Zeit zwischen 1933 und 1938; über die wahnwitzige "Rassenlehre" der Nazis, über ihr Bestreben nach der "Säuberung der arischen Rassen", und über die nur allzu deutlichen Drohungen gegenüber Minderheiten.

Periode III: 1939-1942
Am 1. September 1939 beginnt mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg - ein Datum, von dem die Familie Frank in den Niederlanden zwar mit Sorgen hört, das aber noch keine direkten Konsequenzen für sie und andere Flüchtlinge in Westeuropa hat. Erst im Mai 1940, mit dem Angriff der Wehrmacht auf die Niederlande ändert sich die Situation gravierend; eine Flucht - schon vor diesem Zeitpunkt schwer genug - ist jetzt so gut wie unmöglich geworden. Überall in Westeuropa beginnen die Nazis ihre Ausgrenzungspolitik gegenüber Juden und anderen Minderheiten durchzusetzen. Doch bleibt es nicht bei der bloßen Ausgrenzung, vielmehr ist die Isolierung der Juden nur der erste Schritt, schließlich ist das Ziel die Deportation und die planmäßige Ermordung der europäischen Juden. Margot Frank ist die Erste aus der Familie Frank, die im Juli 1942 einen Aufruf erhält, sich "für einen eventuellen Arbeitseinsatz im Ausland" zu melden. Für die ganze Familie ist dieser Aufruf das auslösende Moment, bereits einen Monat früher als geplant unterzutauchen: im Hinterhaus des Betriebsgebäudes von Otto Franks ehemaliger Firma. In einem Porträt, das in diesem Teil die historischen Ereignisse von 1939 bis 1942 kommentiert, stellen wir Miep Gies vor, Otto Franks Sekretärin. Ohne Miep und die anderen Helfer wäre ein Untertauchen für alle Bewohner des Hinterhauses unmöglich gewesen. Miep Gies ist immer wieder als Heldin bezeichnet worden, doch sie betont, daß man, keine Heldin sein muß, um helfen zu können.

Periode IV: 1942-1945
Von 1942 bis 1944 leben acht Menschen - neben der Familie Frank noch das Ehepaar van Pels mit ihrem Sohn Peter und der Zahnarzt Dr. Pfeffer - untergetaucht im Hinterhaus der Prinsengracht 263. In diesem Teil der Ausstellung versuchen wir die Atmosphäre in Annes Zimmer nachzuahmen: die Enge, das belastende schummrige Licht… Zitate aus Annes Tagebuch ergänzen die Eindrücke von der Zeit im Versteck. Im August 1944 werden die Untergetauchten verraten und sofort verhaftet, später in die Konzentrationslager Westerbork und Auschwitz deportiert. Zeitzeugen ergänzen die Eindrücke der Familie Frank mit ihren Berichten über die Unmöglichkeit, den Deportationen zu entgehen, über das Schicksal von Sinti und Roma, über die fabrikmäßige Ermordung der Juden in den Vernichtungslagern, und über das, was die Befreier der Lager dort antrafen. Bis auf Otto Frank sterben alle im Hinterhaus Versteckten in verschiedenen Vernichtungslagern. Wer sie verraten hat, weiß man bis heute nicht.

Periode V: 1945-heute
Nach der Befreiung Europas vom NS-Regime herrscht vielerorts Aufbruchstimmung. Doch neben der Freude
über das Ende des Krieges und der Verfolgung herrscht auch viel Leid: Die Hoffnungen vieler Menschen, ihre Verwandten lebend wiederzusehen werden enttäuscht. In den ersten Jahren nach dem Krieg mangelt es noch dazu an Interesse, das Leiden der Juden und den Holocaust aufzuarbeiten; man will das Zurückliegende in vielen Ländern so schnell wie möglich vergessen.   Nachdem deutlich geworden war, daß auch Anne gestorben ist, übergibt Miep Gies Annes Tagebuch, das sie im Hinterhaus gefunden hatte, Otto Frank, der sich schließlich dazu durchringt, das Tagebuch zu veröffentlichen. Die enorm große Verbreitung und Popularität des Buches haben für viele Menschen entscheidend dazu beigetragen, Verständnis und Interesse für diese Thematik zu entwickeln.

Ziele der Ausstellung
Die Besucher über die Geschichte des Holocaust aus der Sicht Anne Franks und ihrer Familie zu informieren  Den Besuchern zu zeigen, daß in jeder Gesellschaft Unterschiede zwischen Menschen bestehen (kulturelle, ethnische, religiöse, politische, etc.). In vielen Ländern gibt es Gruppierungen, die sich anderen überlegen fühlen und diesen Menschen ihr Recht auf gleiche Behandlung absprechen. Den Besuchern soll deutlich gemacht werden, daß solche Ideen zu Diskriminierung,Verfolgung und sogar Mord führen können.  Die Besucher herauszufordern, sich mit Begriffen wie Toleranz und Respekt, mit den Menschenrechten, der Demokratie und ihrer Bedeutung für unsere Gesellschaft auseinanderzusetzen.  Die Besucher zu überzeugen, daß eine vorurteilslose und tolerante Gesellschaft nicht von alleine entstehen kann, und abgesehen vom staatlichem, vor allem der persönliche Einsatz jedes Einzelnen dafür notwendig ist.

Didaktisches Konzept

Persönliche Geschichten
Die Lebensgeschichte Anne Franks steht in der Ausstellung im Mittelpunkt, aber auch andere Menschen kommen zu Wort. Ihre Erfahrungenm und ihre Geschichten bilden die Einleitungen zu genaueren Informationen und Fakten. Die Geschichte bekommt durch die persönlichen Erfahrungen Einzelner eine
eigene Dimension. Historische Fakten und Geschehnisse bekommen ein menschliches Maß und werden besser vorstellbar, wenn man sich in andere Menschen, in ihre Erfahrungen und Gefühle hineinversetzen kann.

Fragen
Das Stellen einer guten Frage ist besser als das Geben einer Antwort.

Nicht alle Informationen auf einmal
Ein eiliger Besucher kann durch das Aufnehmen der zentralen Photos und Haupttexte ein gutes Bild von den wesentlichen Aussagen der Ausstellung bekommen. Mit mehr Zeit lassen sich auf den Paneelen weitere Informationen finden. In den 3-dimensionalen Elementen ist schließlich detaillierte Hintergrundinformation aufbereitet. Es werden dem Besucher somit je nach Interesse verschiedene, den jeweiligen Bedürfnissen entsprechende Wege angeboten.

Neugierig Machen
Die Gestaltung der Ausstellung zielt darauf ab, die Besucher neugierig zu machen. Informationen werden auf sehr verschiedene Arten angeboten, es bedarf bisweilen einer Aktivität des Besuchers, um sie aufzurufen.

Bücherstand
Am Ende der Ausstellung werden an einem Bücherstand Materialien für die Besucher angeboten, um sich zu Hause weiter in die Thematik vertiefen zu können. Diese Materialien umfassen einen Katalog zur Ausstellung, die Anne-Frank-Zeitung, in der auf die in der Ausstellung angesprochenen Themen weiter eingegangen wird, und das Videoband "Augenzeugen", auf dem Interviews mit in der Ausstellung vorkommenden Personen (u.a. Otto Frank und Miep Gies) zu sehen sind.

Ein Gemeinschaftsprojekt
Die Ausstellung "Anne Frank - eine Geschichte für heute" ist als Kern eines größeren Projektes auf lokaler oder regionaler Ebene gedacht. Die Ausstellung und die sie begleitenden pädagogischen Angebote sollen dazu anregen, sich zum Beispiel mit der Geschichte des eigenen Ortes, der eigenen Region zu beschäftigen und/oder aktuelle Fragen zu Themen wie Diskriminierung und Verfolgung anzuschneiden. Unser Angebot lebt von den Aktivitäten auf lokaler Ebene, die einen Rahmen für die Ausstellung und deren Begleitmaterialien schaffen. Um die Ausstellung in ein größeres Projekt einzubetten, eignen sich die unterschiedlichsten Veranstaltungen: Eigene Ergänzungsausstellungen bzw. Dokumentationen zur Lokalgeschichte, die historische Spurensuche von SchülerInnen vor Ort, Zeitzeugengespräche, Vorträge, Studienfahrten, Filmvorführungen, Lesungen, (Podiums-) Diskussionen, Musikvorstellungen, Demonstrationen, usw. Allen Veranstaltungen sollte das Ziel gemeinsam sein, möglichst viele Zugänge zu den in der Ausstellung angeschnittenen Fragen zu finden bzw.sie weiterzuführen.